Vegetable market, Da Lat, Vietnam: Hoxuanhuong/Dreamstime.com, https://goo.gl/mjvVuc
Gemüsemarkt, Da Lat, Vietnam

Einheit 8 Angebot und Nachfrage: Preisbildung und Wettbewerb auf Märkten

Wie Märkte funktionieren, wenn alle Kaufenden und Verkaufenden preisnehmend sind

  • Der Wettbewerb kann die Kaufenden und Verkaufenden dazu zwingen, preisnehmend zu agieren. Das bedeutet, sie nehmen für Ihre Entscheidungen den Preis als gegeben hin.
  • Das Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage bestimmt den Punkt, bei dem sowohl die Kaufenden als auch die Verkaufenden preisnehmend agieren: das sogenannte Marktgleichgewicht.
  • Preise und Mengen im Marktgleichgewicht ändern sich als Reaktion auf Angebots- und Nachfrageschocks.
  • Das Kaufende und Verkaufende preisnehmen sind, stellt sicher, dass im Marktgleichgewicht alle potenziellen Gewinne aus dem Handel auf dem Markt ausgeschöpft werden.
  • Das Modell des perfekten Wettbewerbs beschreibt idealisierte Bedingungen, unter denen alle Kaufenden und Verkaufenden preisnehmend agieren.
  • Die Märkte der realen Welt unterliegen in der Regel nicht einem vollkommen perfektem Wettbewerb, aber einige reale Märkte können anhand dieses Nachfrage- und Angebotsmodells analysiert werden.
  • Es gibt wichtige Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen preisnehmenden und preissetzenden Unternehmen.

Studierende der amerikanischen Geschichte lernen, dass die Niederlage der konföderierten Südstaaten im amerikanischen Bürgerkrieg das Ende der Sklaverei in der dortigen Produktion von Baumwolle und anderer landwirtschaftlicher Produkte bedeutete. Diese Geschichtsschreibung enthält auch eine Lektion für die Volkswirtschaftslehre.

Bei Ausbruch des Bürgerkrieges am 12. April 1861 befahl Präsident Abraham Lincoln der US-Marine, die Häfen der konföderierten Staaten zu blockieren. Um die Sklaverei zu erhalten, hatten sich diese Staaten für unabhängig von den USA erklärt.

Infolge der Seeblockade kam der Export von US-Rohbaumwolle in die Textilfabriken von Lancashire in England praktisch zum Erliegen. Dadurch fielen drei Viertel der Versorgung mit diesem wichtigen Rohstoff weg. Einige wenige Schiffe konnten nachts Lincolns Patrouillen entwischen. Aber erfolgreich war das nicht immer: etwa1500 solcher Schiffe wurden zerstört oder gekapert.

Nachfrageüberhang
Eine Situation, in der die nachgefragte Menge eines Gutes größer ist als die zum aktuellen Preis angebotene Menge. Siehe auch: Angebotsüberhang.

In dieser Einheit werden wir sehen, dass der Marktpreis einer Ware, wie zum Beispiel Baumwolle, durch das Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage bestimmt wird. Im Falle der Rohbaumwolle bedeuteten die geringen Mengen, die trotz der die Blockade England erreichten, eine dramatische Verringerung des Angebots. Es bestand ein enormer Nachfrageüberhang, das heißt die nachgefragte Menge an Rohbaumwolle überstieg bei zum damals aktuellen Preis das verfügbare Angebot. Infolgedessen erkannten einige Unternehmen, die Baumwolle verkauft haben, dass sie durch Preiserhöhungen Gewinne erzielen konnten. Schließlich wurde die Baumwolle zu Preisen verkauft, die sechsmal höher waren als vor dem Krieg. Der Konsum von Baumwolle sank auf die Hälfte des Vorkriegsniveaus, wodurch Hunderttausende von Menschen, die in Baumwollspinnereien arbeiteten, arbeitslos wurden.

Die Eigentümer:innen der Textilfabriken reagierten auf diese Veränderungen. Für sie bedeutete der Preisanstieg eine Erhöhung der Kosten. Einige Unternehmen gingen Bankrott oder verließen die Industrie, weil ihre Gewinne zu stark einbrachen. Die Eigentümer:innen der Baumwollspinnereien suchten in Indien nach einer Alternative zur US-Baumwolle. Infolgedessen stieg die Nachfrage nach Baumwolle dort stark an. Der Nachfrageüberhang auf den Märkten für indische Baumwolle bot wieder einigen verkaufenden Unternehmen die Möglichkeit, durch Preiserhöhungen Gewinne zu erzielen, was zu einem Anstieg der Preise für indische Baumwolle führte. Bald waren die Preise für indische Baumwolle so hoch wie für amerikanische Baumwolle.

Aufgrund des höheren Einkommens aus dem Baumwollanbau gaben indische Landwirtinnen und Landwirte andere Erzeugnisse auf und bauten stattdessen Baumwolle an. Das Gleiche geschah überall dort, wo Baumwolle angebaut werden konnte, wie zum Beispiel in Brasilien. In Ägypten begannen die Landwirtinnen und Landwirte, die aufgrund der höheren Preise den Baumwollanbau ausweiten wollten, mit dem Einsatz von Versklavten, die (wie die amerikanischen Versklavten, für deren Befreiung Lincoln kämpfte) in Afrika südlich der Sahara gefangen wurden.

Doch es gab ein Problem. Die einzige Baumwollquelle, die das fehlende Angebot aus den USA annähernd ausgleichen konnte, lag in Indien. Indische Baumwolle unterschied sich jedoch von amerikanischer Baumwolle und erforderte eine völlig andere Verarbeitung. Deshalb wurden innerhalb weniger Monate nach der Umstellung auf indische Baumwolle neue Maschinen für die Verarbeitung dieser Baumwolle entwickelt.

Als die Nachfrage nach diesen neuen Maschinen in die Höhe schoss, konnten Unternehmen wie Dobson and Barlow, die Textilmaschinen herstellten, ihre Gewinne deutlich steigern. Wir wissen dies heute, weil detaillierte Verkaufsunterlagen erhalten geblieben sind. Dobson and Barlow reagierte auf die neue Situation, indem es die Produktion dieser neuen Maschinen erhöhte. Keine Fabrik konnte es sich leisten, in der Hektik der Umstellung zurückzubleiben, weil sie sonst die neuen Rohstoffe nicht nutzen konnte. In den Worten von Douglas Farnie, einem Historiker, der sich auf die Geschichte der Baumwollproduktion spezialisiert hat, war das Ergebnis „eine so umfangreiche Investition von Kapital, dass sie fast der Schaffung einer neuen Industrie gleichkam“.

Die Lektion für Ökonominnen und Ökonomen: Lincoln ordnete zwar die Blockade an, aber in der Folge reagierten die Landwirtinnen und Landwirte und die verkaufenden Unternehmen, nicht auf Anordnungen. Weder befolgten die Eigentümer:innen der Textilfabriken, die die Produktion von Textilien drosselten und Beschäftigte entließen, irgendwelchen Anordnungen, noch suchten sie nur nach neuen Rohstoffquellen. Durch die Bestellung neuer Maschinen lösten die sie einen Boom an Investitionen und neuen Arbeitsplätzen aus.

All diese Entscheidungen wurden innerhalb weniger Monate von Millionen von Menschen getroffen, von denen die meisten einander völlig fremd waren und von denen alle versuchten, das Beste aus einer völlig neuen (wirtschaftlichen) Situation zu machen. Amerikanische Baumwolle war nun knapper, und die Menschen reagierten darauf. Dies geschah von den Baumwollfeldern in Maharashtra in Indien über das Nildelta, bis nach Brasilien und in den Fabriken von Lancashire.

Um zu verstehen, wie die Änderung des Baumwollpreises das weltweite System der Baumwoll- und Textilproduktion veränderte, muss man sich die Preise auf den Märkten als Botschaften vorstellen. Der Anstieg des US-Baumwollpreises bedeutete: „Sucht nach anderen Quellen und findet neue Technologien, die für die Verwendung dieser neuen Quellen geeignet sind“. Wenn heute der Benzinpreis steigt, lautet die Botschaft an die Autofahrer:innen: „Nehmt den Zug“, die an die Bahngesellschaft: „Es gibt Gewinne zu erzielen, wenn mehr Zugverbindungen angeboten werden“. Wenn der Strompreis steigt, heißt es für ein Unternehmen oder eine Familie: „Überlegen Sie sich, ob Sie eine Fotovoltaikanlage auf dem Dach installieren wollen“.

In vielen Fällen—wie bei der Kette von Ereignissen, die am 12. April 1861 auf Lincolns Schreibtisch begann—sind diese Botschaften nicht nur für einzelne Unternehmen und Familien wertvoll, sondern auch für die Gesellschaft: Wenn etwas teurer geworden ist, dann ist es wahrscheinlich, dass mehr Menschen es nachfragen oder dass die Kosten für die Produktion gestiegen sind oder beides. Indem eine einzelne Person eine Alternative findet, spart diese Person Geld und schont die Ressourcen der Gesellschaft. Dies liegt daran, dass die Preise unter bestimmten Bedingungen ein verlässchliches Maß für die Knappheit einer Ware oder Dienstleistung darstellen.1

In der Planwirtschaft, wie sie in der Sowjetunion und anderen mittel- und osteuropäischen Ländern vor den 1990er-Jahren vorherrschte (siehe Einheit 1), werden Botschaften darüber, wie etwas produziert werden soll, bewusst von der Regierung ausgesandt. Die Regierung entscheidet, was produziert und zu welchem Preis es verkauft wird. Das Gleiche gilt, wie wir in Einheit 6 gesehen haben, in großen Unternehmen wie General Motors, wo das Management (und nicht die Preise) bestimmen, wer was tut.

Das Erstaunliche an Preisen, die von Märkten bestimmt werden, ist, dass nicht Einzelpersonen die Botschaften senden, sondern die anonyme Marktinteraktion von manchmal Millionen von Menschen. Und wenn sich die Bedingungen ändern—zum Beispiel Brot günstiger produziert werden kann—, muss kein Mensch bewusst die Botschaft ändern (zum Beispiel „heute Abend Brot statt Kartoffeln auf den Tisch stellen“). Der Preis übernimmt dies automatisch: Ein zum Beispiel gesunkener Brotpreis allein sagt alles aus und ist Botschaft genug.

8.1 Einkaufen und Verkaufen: Angebot und Nachfrage

In Einheit 7 haben wir den Fall eines Gutes betrachtet, das von nur einem Unternehmen produziert und verkauft wird. Es gab ein verkaufendes Unternehmen und viele kaufende Personen auf dem Markt für dieses Produkt. In dieser Einheit befassen wir uns mit Märkten, auf denen viele verkaufende und kaufende Personen oder Unternehmen miteinander interagieren. Wir zeigen, wie der Preis auf einem Wettbewerbsmarkt sowohl von den Präferenzen der Verbrauchenden als auch von den Kosten der anbietenden Unternehmen bestimmt wird. Wenn es viele Unternehmen gibt, die das gleiche Produkt herstellen, werden die Entscheidungen jedes Unternehmens sowohl durch das Verhalten der konkurrierenden Unternehmen als auch der Verbrauchenden beeinflusst.

Zahlungsbereitschaft (ZBS)
Ein Indikator dafür, wie sehr eine Person ein Gut schätzt, gemessen an dem Betrag, den sie maximal zahlen würde, um eine Einheit des Gutes zu erwerben. Siehe auch: Akzeptanzbereitschaft.

Ein einfaches Modell für einen Markt mit vielen kaufenden und verkaufenden Personen ist der Handel mit gebrauchten Exemplaren eines Lehrbuchs, welches für einen Volkswirtschaftslehrekurs an einer Universität empfohlen wird. Die Nachfrage nach dem Buch kommt von Studierenden, die kurz vor dem Beginn des Kurses stehen, und sie werden sich in ihrer individuellen Zahlungsbereitschaft (ZBS) unterscheiden. Niemand wird mehr als den Neupreis (zum Beispiel der Universitätsbuchhandlung) für ein gebrauchtes Exemplar zahlen. Darüber hinaus kann die ZBS der Studierenden davon abhängen, wie viel sie lernen, für wie wichtig sie das Buch halten und wieviel Geld sie für den Kauf von Büchern zur Verfügung haben.

Wenn Sie etwas kaufen, müssen Sie oft nicht über Ihre genaue Zahlungsbereitschaft nachdenken. Man entscheidet einfach, ob man den geforderten Preis zahlen will. Für Kaufende bei Online-Auktionen, wie zum Beispiel bei eBay, ist die Zahlungsbereitschaft jedoch ein hilfreiches Konzept.

Wenn Sie ein Gebot für einen Artikel abgeben möchten, können Sie ein Höchstgebot in Höhe Ihrer ZBS festlegen, das vor anderen Auktionsteilnehmenden geheim gehalten wird: Dieser Artikel erklärt, wie man das bei eBay macht. eBay gibt automatisch Gebote in Ihrem Namen ab, bis Sie entweder die höchstbietende Person sind oder bis Ihr Höchstgebot erreicht ist. Sie erhalten den Zuschlag für die Auktion, wenn das Höchstgebot unter oder gleich Ihrer ZBS liegt.

Abbildung 8.1 zeigt die Nachfragekurve. Wie in Einheit 7 ordnen wir alle Verbrauchenden in der Reihenfolge ihrer Zahlungsbereitschaft an, mit der höchsten Zahlungsbereitschaft beginnend. Die erste studierende Person ist bereit, 20 USD zu zahlen, die zwanzigste studierende Person 10 USD und so weiter. Für jeden Preis P zeigt das Diagramm an, wie viele Studierende bereit wären, das Produkt zu kaufen: Es ist die Anzahl an Personen, deren ZBS bei oder über P liegt.

Die Nachfragekurve auf dem Markt für Bücher.
: Die Nachfragekurve auf dem Markt für Bücher.
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Die Nachfragekurve auf dem Markt für Bücher.

Abbildung 8.1 Die Nachfragekurve auf dem Markt für Bücher.

Akzeptanzbereitschaft (ABS)
Der Reservationspreis einer potenziell verkaufenden Person, die nur zu mindestens diesem Preis bereit ist, eine Einheit zu verkaufen. Siehe auch: Zahlungsbereitschaft.
Reservationspreis
Der niedrigste Preis, zu dem jemand bereit ist, ein Gut zu verkaufen (das Behalten des Gutes ist die Reservationsoption der potenziell verkaufenden Person). Siehe auch: Reservationsoption.

Die Nachfragekurve stellt die ZBS der Kaufenden dar; in ähnlicher Weise hängt das Angebot von der Akzeptanzbereitschaft (ABS) für die Bücher der Verkaufenden ab.

Das Angebot an gebrauchten Büchern stammt von Studierenden, die den Kurs bereits absolviert haben und die sich in der Höhe ihres Reservationspreises unterscheiden. Erinnern Sie sich an Einheit 5, als Angela nur dann bereit war, einen Vertrag mit Bruno abzuschließen, wenn dieser ihr mindestens so viel Nutzen brachte wie ihre Reservationsoption (keine Arbeit und lebensnotwendige Nahrungsmengen). Hier stellt der Reservationspreis einer potenziell verkaufenden Person den Wert dar, welcher dem Wert entspricht das Buch zu behalten. Sie wird nur bereit sein, zu mindestens diesem Preis zu verkaufen. Studierende in Geldnot (die alte Bücher verkaufen, um sich andere Bücher leisten zu können) und Personen, die den Kurs erfolgreich abgeschlossen haben, besitzen möglicherweise niedrigere Reservationspreise. Auch bei Online-Auktionen wie eBay können die Verkaufenden ihre ABS angeben.

Wenn Sie einen Artikel bei eBay verkaufen, können Sie einen Reservationspreis festlegen, der den Bietenden nicht mitgeteilt wird. Dieser Artikel erklärt die Reservationspreise bei eBay. Damit teilen Sie eBay mit, dass der Artikel erst dann verkauft werden soll, wenn ein Gebot zu diesem Preis (oder darüber) vorliegt. Der Reservationspreis sollte also Ihrer ABS entsprechen. Wenn niemand Ihr ABS-Gebot abgibt, wird der Artikel nicht verkauft.

Angebotskurve
Die Kurve, die die Menge des Outputs anzeigt, die zu einem bestimmten Preis produziert werden würde. Für einen Markt zeigt sie die Gesamtmenge, die alle Unternehmen zusammen zu einem bestimmten Preis produzieren würden.

Wir können eine Angebotskurve zeichnen, indem wir die Verkaufenden in der Reihenfolge ihrer Reservationspreise (ihrer ABS) aufstellen: Siehe Abbildung 8.2. Wir stellen die verkaufsbereitesten Personen mit den niedrigsten Reservationspreisen an die erste Stelle, sodass die Kurve der Reservationspreise ansteigt.

Die Angebotskurve für Bücher.
: Die Angebotskurve für Bücher.
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Die Angebotskurve für Bücher.

Abbildung 8.2 Die Angebotskurve für Bücher.

Reservationspreis
: Die erste verkaufende Person hat einen Reservationspreis von 2 USD und wird zu jedem Preis darüber verkaufen.
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Reservationspreis

Die erste verkaufende Person hat einen Reservationspreis von 2 USD und wird zu jedem Preis darüber verkaufen.

Die 20. verkaufende Person
: Die 20. verkaufende Person akzeptiert 7 USD …
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Die 20. verkaufende Person

Der 20. verkaufende Person akzeptiert 7 USD …

Der 40. verkaufende Person
: … und der Reservationspreis der 40. verkaufenden Person beträgt 12 USD.
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Der 40. verkaufende Person

… und der Reservationspreis der 40. verkaufenden Person beträgt 12 USD.

Angebotskurven verlaufen steigend
: Wenn man einen bestimmten Preis wählt, zum Beispiel 10 USD, zeigt das Diagramm, wie viele Bücher zu diesem Preis angeboten werden würden (Q): In diesem Fall sind es 32. Die Angebotskurve steigt an: Je höher der Preis, desto mehr Studierende werden bereit sein, zu verkaufen.
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Angebotskurven verlaufen steigend

Wenn man einen bestimmten Preis wählt, zum Beispiel 10 USD, zeigt das Diagramm, wie viele Bücher zu diesem Preis angeboten würden (Q): In diesem Fall sind es 32. Die Angebotskurve steigt an: Je höher der Preis, desto mehr Studierende werden bereit sein, zu verkaufen.

Für jeden Preis zeigt die Angebotskurve die Anzahl jener Studierenden, die bereit sind, zu diesem Preis zu verkaufen. Das heißt es zeigt die Anzahl Bücher, die dem Markt zur Verfügung gestellt werden. Beachten Sie, dass wir die Angebots- und Nachfragekurven der Einfachheit halber als gerade Linien gezeichnet haben. In der Praxis werden sie eher Kurven sein, wobei die genaue Form davon abhängt, wie unterschiedlich die Studierenden das Buch bewerten.

Frage 8.1 Wählen Sie die richtige(n) Antwort(en)

Als Studierendenvertretung ist es eine Ihrer Aufgaben, einen Markt für gebrauchte Lehrbücher zwischen den derzeitigen und ehemaligen Studierenden des ersten Studienjahres zu organisieren. Nach einer Umfrage schätzen Sie die Nachfrage- und Angebotskurven wie in den Abbildungen 8.1 und 8.2 dargestellt. Sie schätzen zum Beispiel, dass ein Preis von 7 USD für ein Buch zu einem Angebot von 20 Büchern und einer Nachfrage von 26 Büchern führen würde. Welche der folgenden Aussagen ist richtig?

  • Ein Gerücht, dass das Lehrbuch im zweiten Studienjahr wieder benötigt werden könnte, würde die Angebotskurve verändern und nach oben verschieben.
  • Eine Verdopplung des Preises auf 14 USD würde das Angebot verdoppeln.
  • Ein Gerücht, dass das Lehrbuch möglicherweise nicht mehr auf der Leseliste für die Studierenden im ersten Jahr steht, würde die Nachfragekurve verändern und nach oben verschieben.
  • Die Nachfrage würde sich verdoppeln, wenn der Preis ausreichend gesenkt werden würde.
  • Das Gerücht würde die Verkaufsbereitschaft der ehemaligen Studierenden im ersten Studienjahr verringern. Ihre Akzeptanzbereitschaft würde steigen, wodurch sich die Angebotskurve nach oben verschiebt. Entsprechend wäre die Zahl der Studierenden, die bereit sind, ihr Buch zu jedem Preis abzugeben, geringer.
  • Aus der Angebotskurve geht hervor, dass sich das Angebot auf 40 verdoppeln würde, wenn der Preis auf 12 USD erhöht werden würde.
  • Das Gerücht würde die Nachfragekurve nach unten verschieben.
  • Die maximal erreichbare Nachfrage ist 40 bei einem Preis von Null.

Übung 8.1 Verkaufsstrategien und Reservationspreise

Betrachten Sie drei mögliche Methoden, um ein Auto zu verkaufen, das Sie besitzen:

  • Inserieren Sie es in der Lokalzeitung.
  • Bringen Sie es zu einer Autoauktion.
  • Bieten Sie es einem Gebrauchtwagenhändler an.
  1. Wäre Ihr Reservationspreis in jedem Fall derselbe? Warum?
  2. Würden Sie bei der ersten Methode mit Ihrem Reservationspreis inserieren?
  3. Welche Methode würde Ihrer Meinung nach den höchsten Verkaufspreis erzielen?
  4. Für welche Methode würden Sie sich entscheiden?

8.2 Der Markt und der Gleichgewichtspreis

Was würden Sie erwarten, was auf dem Markt für das Lehrbuch passieren würde? Das hängt von den Institutionen des Marktes ab, der verkaufende und kaufende Studierende zusammenbringt. Wenn die Studierenden bilateral miteinander verhandeln müssen, kann eine kaufende Person, wenn sie eine verkaufende Person findet, versuchen, einen für beide Seiten günstigen Preis auszuhandeln. Aber jede kaufende Person möchten eine verkaufende Person mit einem niedrigen Reservationspreis finden, und jede verkaufende Person möchte eine kaufende Person mit einer hohen Zahlungsbereitschaft finden. Bevor sie ein Geschäft abschließen, möchten beide Parteien über andere Handelsoptionen informiert werden.

Traditionelle Institutionen des Marktes brachten oft viele Kaufende und Verkaufende an einem Ort zusammen. Viele der großen Städte der Welt entstanden rund um Marktplätzen und Basaren entlang alter Handelsrouten wie zum Beispiel der Seidenstraße zwischen China und dem Mittelmeer. Auf dem Großen Basar von Istanbul, einem der größten und ältesten überdachten Märkte der Welt, reihen sich die Geschäfte mit Teppichen, Gold, Leder und Textilien in verschiedenen Bereichen aneinander. In mittelalterlichen Städten war es üblich, dass die produzierenden und verkaufenden Personen einer bestimmten Art von Waren ihre Läden nahe beieinander aufbauten, damit die Kundschaft wusste, wo sie zu finden waren. Die Londoner City ist heute ein Finanzzentrum, aber die erhaltenen Straßennamen zeugen von den einst dort ausgeübten Berufen: Pudding Lane, Bread Street, Milk Street, Threadneedle Street, Ropemaker Street, Poultry Street und Silk Street.

Dank moderner Kommunikationsmittel können heute die Verkaufenden ihre Waren anpreisen und die Kaufenden können leichter herausfinden, was es gibt und wo man es kaufen kann. Aber in einigen Fällen ist es für viele Kaufende und Verkaufende immer noch von Vorteil, sich physisch zu treffen. In vielengroßen Städten gibt es Märkte für Fleisch, Fisch, Gemüse oder Blumen, auf denen die Kaufenden die Qualität der Produkte prüfen und vergleichen können. Früher waren an Märkten für Gebrauchtwaren oft spezialisierte Händler:innen beteiligt (zum Beispiel Geschäfte für gebrauchte Videospiele), doch heute können die Kaufenden über Online-Marktplätze wie eBay direkt mit der Gegenseite in Kontakt treten. Heutzutage helfen Websites Studierenden, Lehrbücher unkompliziert an andere Studierende zu verkaufen.

Ende des 19. Jahrhunderts stellte der Ökonom Alfred Marshall sein Modell von Angebot und Nachfrage anhand eines Beispiels vor, das unserem Fall der gebrauchten Bücher ähnelte. In den meisten englischen Städten gab es eine Getreidebörse—ein Gebäude, in dem sich Landwirtinnen und Landwirte mit Kaufleuten trafen, um ihr Getreide zu verkaufen. Marshall beschrieb, wie die Angebotskurve von Getreide durch die Preise bestimmt wird, die Landwirtinnen und Landwirte bereit wären, und die Nachfragekurve durch die Zahlungsbereitschaft der Kaufleute. Dann argumentierte er, dass der Preis zwar im „Schachern und Feilschen“ des Marktes „wie ein Federball hin- und hergeworfen“ werden könne, aber nie sehr weit von dem Preis entfernt sei, bei dem die von den Kaufleuten nachgefragte Menge der Menge entspreche, welche die Landwirtinne und Landwirte liefern würden.

Angebotsüberhang
Eine Situation, in der zum aktuellen Preis die angebotene Menge eines Gutes größer ist als die nachgefragte Menge nach dem Gut. Siehe auch: Nachfrageüberhang.
Nash-Gleichgewicht
Eine Kombination von Strategien, eine für jede spielende Person im Spiel, so dass die Strategie jedes Spielenden eine beste Antwort auf die von allen anderen gewählten Strategien ist.
Gleichgewicht (eines Marktes)
Ein Marktzustand, in dem sich die gekauften und verkauften Mengen oder der Marktpreis nicht ändern, es sei denn, die zugrundeliegenden Kosten, Präferenzen oder sonstigen Bestimmungsfaktoren für das Verhalten der Teilnehmenden am Markt ändern sich in irgendeiner Weise.

Marshall nannte den Preis, bei dem sich Angebot und Nachfrage die Waage hielten, den Gleichgewichtspreis. Wenn der Preis über dem Gleichgewicht lag, würden Landwirtinne und Landwirte große Mengen an Getreide verkaufen wollen. Aber nur wenige Kaufleute würden kaufen wollen—es gäbe einen Angebotsüberhang. Dann würden selbst die Kaufleute, die bereit wären, so viel zu zahlen, erkennen, dass die Landwirtinnen und Landwirte ihre Preise bald sen­ken müssten, und mit dem Vertragsabschluss so lange warten, bis sie es tun. In ähnlicher Weise würden die Verkaufenden, wenn der Preis unter dem Gleichge­wicht liegt, lieber warten und Getreide horten, als zu diesem Preis zu verkaufen. Wenn beim aktuellen Preis die gelieferte Menge nicht der nachgefragten Menge entspricht, könnten einige der Verkaufenden oder Kaufenden davon profitieren, einen anderen Preis zu verlangen (in der modernen Terminologie würde man sagen, dass der aktuelle Preis kein Nash-Gleichgewicht ist). Der Preis würde sich also tendenziell auf einem Gleichgewichtsniveau einpendeln, bei dem Angebot und Nachfrage im Gleichgewicht sind.

Marshalls Argumentation beruhte auf der Annahme, dass das gesamte Getreide von gleicher Qualität war. Sein Modell von Angebot und Nachfrage lässt sich auf Märkte anwenden, auf denen identische Waren verkauft werden, sodass die Kaufenden gleichermaßen bereit sind, von jeder verkaufenden Person zu kaufen. Hätten die Landwirtinnen und Landwirte alle Getreide unterschiedlicher Qualität produziert, würden sie eher differenzierte Produkte wie in Einheit 7 produzieren.

Große Ökonominnen und Ökonomen Alfred Marshall

Grenzkosten
Die Auswirkung auf die Gesamtkosten der Produktion einer zusätzlichen Einheit des Outputs. Sie entspricht der Steigung der Gesamtkostenfunktion in jedem Punkt.
Grenznutzen
Der zusätzliche Nutzen, der sich aus einer Erhöhung einer bestimmten Variablen um eine Einheit ergibt.

Alfred Marshall Alfred Marshall (1842–1924) war—zusammen mit Léon Walras—einer der Begründer der sogenannten neoklassischen Schule der Ökonomie. Seine Principles of Economics, die erstmals 1890 veröffentlicht wurden, waren 50 Jahre lang das Standardlehr­buch für die Einführung in die Volkswirtschaftslehre für englischsprachige Studierende. Als hervorragender Mathematiker schuf Marshall neue Grundlagen für die Analyse von Angebot und Nachfrage, indem er die Funktionsweise von Märkten und Unternehmen mit Hilfe der Infinitesimalrechnung formulierte und Schlüsselkonzepte wie Grenzkosten und Grenznutzen darlegte. Auch die Konzepte der Konsumentenrente und der Produzentenrente gehen auf Marshall zurück. Seine Auffassung von Volkswirtschaftslehre als Versuch, „zu verstehen, wie die Einflüsse, die sich auf die Qualität und den Charakter des menschlichen Lebens einwirken, durch die Art und Weise, wie die Person ihren Lebensunterhalt verdient.“ kommt unserer eigenen Definition des Fachgebiets sehr nahe.2

Leider sind viele der Weisheiten in Marshalls Text von nachfolgenden Ökonominnen und Ökonomen nur selten gelehrt worden. Marshall schenkte den Fakten Aufmerksamkeit. Seine Beobachtung, dass große Unternehmen oft zu niedrigeren Kosten pro Einheit produzieren können als kleine Unternehmen, war ein wesentlicher Bestandteil seines Denkens, fand aber nie Eingang in die neoklassische Schule. Wenn die Kurve der Durchschnittskosten bei sehr großen Unternehmen fallend verläuft, kommt es zu einer Art winner-takes-all Markt, aus dem einige wenige große Unternehmen als Gewinner hervorgehen, die die Macht haben, die Preise zu bestimmen, anstatt den Marktpreis als gegeben hinzunehmen. Wir kommen auf dieses Problem in Einheit 12 und Einheit 21 zurück.

Marshall wäre auch darüber verärgert gewesen, dass der homo oeconomicus (dessen Existenz wir in Einheit 4 in Frage gestellt haben) oft die Hauptrolle in den Lehrbüchern der neoklassischen Schule einnimmt. Er meinte:

Ethische Kräfte gehören zu denen, die der Ökonomen berücksichtigen muss. Man hat in der Tat versucht, eine abstrakte Wissenschaft über die Handlungen eines Menschen zu konstruieren, die keinen ethischen Einflüssen unterliegt und egoistisch nach finanziellem Gewinn strebt. Aber sie sind nicht erfolgreich gewesen. (Principles of Economics, 1890)

Während er den Einsatz der Mathematik in der Ökonomie befürwortete, warnte er gleichzeitig vor ihrem Missbrauch. In einem Brief an A. L. Bowley, einem ebenfalls mathematisch orientierten Wirtschaftswissenschaftler, erläuterte er seine eigenen „Regeln“ wie folgt:

  1. Benutze die Mathematik als Kurzschrift und nicht als Motor der Forschung.
  2. Halte dich an sie [das heißt, bleibe bei der Mathematik], bis du fertig bist.
  3. Übersetze [die Mathematik] ins Englische [beziehungsweise ins Deutsche].
  4. Veranschauliche dann durch Beispiele, die im wirklichen Leben wichtig sind.
  5. Verbrenne die Mathematik.
  6. Wenn dir 4 nicht gelingt, verbrenne 3: „Ich mache das oft“.

Marshall war von 1885 bis 1908 Professor für politische Ökonomie an der Universität Cambridge. Im Jahr 1896 wandte er sich mit einem Pamphlet an den Senat der Universität, in dem er sich gegen den Vorschlag aussprach, Frauen die Möglichkeit zu geben, einen akademischen Grad zu erwerben. Marshall setzte sich durch, und Frauen mussten bis 1948 warten, bis sie in Cambridge den gleichen akademischen Status wie Männer erhielten.

Seine Arbeit war jedoch von dem Wunsch geleitet, die materiellen Bedingungen der arbeitenden Bevölkerung zu verbessern:

Nun machen wir uns endlich ernsthaft daran zu fragen, ob es überhaupt notwendig ist, dass es sogenannte Unterschichten gibt: Das heißt, ob es eine große Anzahl von Menschen geben muss, die von Geburt an zu harter Arbeit verdammt sind, um anderen die Voraussetzungen für ein gepflegtes und kultiviertes Leben zu verschaffen, während sie selbst durch ihre Armut und Mühsal daran gehindert werden, irgendeinen Anteil an diesem Leben zu haben. Die Antwort hängt in hohem Maße von Tatsachen und Schlussfolgerungen ab, die in den Bereich der Volkswirtschaftslehre fallen; und das ist es, was der Volkswirtschaftslehre ihr wichtigstes und höchstes Interesse verleiht. (Principles of Economics, 1890)

Wäre Marshall heute mit dem Beitrag zufrieden, den die moderne Volks­wirtschaftslehre zur Schaffung einer gerechteren Wirtschaft geleistet hat?

Um das Modell von Angebot und Nachfrage auf den Markt für Lehrbücher anzuwenden, gehen wir der Einfachheit halber davon aus, dass alle Bücher identisch sind (auch wenn in der Praxis einige in besserem Zustand sein können als andere) und dass eine potenziell verkaufende Person ein Buch zum Verkauf anbieten kann, indem sie seinen Preis auf einer Website bekannt gibt. Wie an der Getreidebörse würden wir erwarten, dass die meisten Geschäfte zu ähnlichen Preisen abgewickelt würden. Wenn also einige Bücher für 10 USD und andere für 5 USD angeboten würden, stünden die Kaufenden für die 5-USD-Bücher Schlange, und die Verkaufenden würden schnell merken, dass sie mehr verlangen könnten, während niemand 10 USD zahlen wollte, sodass diese Verkaufenden ihren Preis senken müssten.

Wir können den Gleichgewichtspreis finden, indem wir die Angebots- und Nachfragekurven in ein Diagramm einzeichnen, wie in Abbildung 8.3. Bei einem Preis P* = 8 USD ist das Angebot an Büchern gleich der Nachfrage: 24 Kaufende sind bereit, 8 USD zu zahlen, und 24 Verkaufende sind bereit, zu verkaufen. Die Gleichgewichtsmenge ist also Q* = 24.

Gleichgewicht auf dem Markt für gebrauchte Bücher.
: Gleichgewicht auf dem Markt für gebrauchte Bücher.
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Gleichgewicht auf dem Markt für gebrauchte Bücher.

Abbildung 8.3 Gleichgewicht auf dem Markt für gebrauchte Bücher.

Angebot und Nachfrage
: Wir finden das Gleichgewicht, indem wir die Angebots- und Nachfragekurve in dasselbe Diagramm einzeichnen.
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Angebot und Nachfrage

Wir finden das Gleichgewicht, indem wir die Angebots- und Nachfragekurven in dasselbe Diagramm einzeichnen.

Der Gleichgewichtspreis auf dem Markt
: Bei einem Preis P* = USD 8 ist die angebotene Menge gleich der nachgefragten Menge: Q* = 24. Der Markt befindet sich im Gleichgewicht. Wir sagen, dass sich der Markt bei einem Preis von 8 USD räumt.
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Der Gleichgewichtspreis auf dem Markt

Bei einem Preis P* = USD 8 ist die angebotene Menge gleich der nachgefragten Menge: Q* = 24. Der Markt befindet sich im Gleichgewicht. Wir sagen, dass sich der Markt bei einem Preis von 8 USD räumt.

Ein Preis über dem Gleichgewichtspreis
: Bei einem Preis von mehr als 8 USD würden mehr Studierende verkaufen wollen, aber nicht alle von ihnen würden kaufende Studierende finden. Es gäbe einen Angebotsüberhang, sodass diese Kaufenden ihren Preis senken würden.
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Ein Preis über dem Gleichgewichtspreis

Bei einem Preis von mehr als 8 USD würden mehr Studierende verkaufen wollen, aber nicht alle von ihnen würden kaufende Studierende finden. Es gäbe einen Angebotsüberhang, sodass diese Kaufenden ihren Preis senken würden.

Ein Preis unter dem Gleichgewichtspreis
: Bei einem Preis von weniger als 8 USD gäbe es mehr Kaufende als Verkaufende—ein Nachfrageüberhang—sodass die Verkaufenden ihre Preise erhöhen könnten. Nur bei 8 USD gibt es keine Tendenz zur Veränderung.
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Ein Preis unter dem Gleichgewichtspreis

Bei einem Preis von weniger als 8 USD gäbe es mehr Kaufende als Verkaufende—ein Nachfrageüberhang—sodass die Verkaufenden ihre Preise erhöhen könnten. Nur bei 8 USD gibt es keine Tendenz zur Veränderung.

Gleichgewichtspreis
Bei diesem Preis gibt es keinen Angebots- oder Nachfrageüberhang. Siehe auch: Gleichgewicht.
Gleichgewicht
Ein Modellergebnis, das sich selbst aufrechterhält. In diesem Fall ändert sich etwas von Interesse nicht, es sei denn, es wird eine äußere oder externe Kraft eingeführt, welche die Situation innerhalb des Modells verändert.

Der Gleichgewichtspreis ist 8 USD, das heißt bei diesem Preis ist das Angebot gleich der Nachfrage, sodass alle Kaufenden, die kaufen wollen, und alle Verkaufenden, die verkaufen wollen, dies tun können. Der Markt befindet sich im Gleichgewicht oder räumt. Im alltäglichen Sprachgebrauch ist etwas im Gleichgewicht, wenn sich die wirkenden Kräfte in Balance befinden, sodass das Ergebnis unverändert bleibt. Erinnern Sie sich an Fishers hydraulisches Modell der Preisbestimmung aus Einheit 2: Veränderungen in der Wirtschaft bewirkten, dass Wasser durch den Apparat floss, bis er ein Gleichgewicht erreichte, ohne dass sich die Preise weiter veränderten. Ein Markt befindet sich im Gleichgewicht, wenn die Handlungen von kaufenden und verkaufenden Personen oder Unternehmen nicht dazu führen, dass sich der Preis oder die gekauften und verkauften Mengen ändern. Dies gilt natürlich nur so lange, bis es zu einer Änderung der Marktbedingungen kommt, zum Beispiel einer Änderung der Anzahl der potenziellen Kaufenden oder Verkaufenden. Beim Gleichgewichtspreis für Lehrbücher können alle, die kaufen oder verkaufen wollen, dies tun, so dass es keine Tendenz zur Veränderung gibt.

Nicht alle Online-Märkte für Bücher befinden sich im Marktgleichgewicht. In einem Fall, in dem die Bedingungen für ein Gleichgewicht nicht erfüllt waren, erhöhten automatische Preisfestsetzungsalgorithmen den Preis für ein Buch auf 23 Millionen Dollar! Michael Eisen, ein Biologe, bemerkte, dass ein klassischer, aber vergriffener Text, The Making of a Fly, von zwei seriösen Unternehmen auf Amazon zum Verkauf angeboten wurde, wobei die Preise bei 1 730 045,91 USD (+3,99 USD Versand) begannen. In der folgenden Woche beobachtete er, wie die Preise rapide stiegen und schließlich einen Höchststand von 23 698 655,93 USD erreichten, bevor sie auf 106,23 USD fielen. Eisen erklärt in seinem Blog, warum.

Den Preis als gegeben nehmen

Befindet sich der Markt immer im Gleichgewicht? Wie wir gesehen haben, vertrat Marshall die Ansicht, dass die Preise nicht stark vom Gleichgewicht abweichen, da die Marktteilnehmenden bei einem Angebots- oder Nachfrageüberhang ihre Preise ändern würden. In dieser Einheit befassen wir uns mit Marktgleichgewichten. In Einheit 11 werden wir uns ansehen, wann und wie sich die Preise ändern, wenn der Markt nicht im Gleichgewicht ist.

Preisnehmende
Merkmal von produzierenden und verbrauchenden Personen oder Unternehmen, die keinen Nutzen daraus ziehen können, dass sie einen anderen Preis als den Marktpreis im Gleichgewicht eines Wettbewerbsmarktes anbieten oder verlangen. Sie haben keine Macht, den Marktpreis zu beeinflussen.

Auf dem von uns beschriebenen Lehrbuchmarkt müssen einzelne Studierende den vorherrschenden Gleichgewichtspreis auf dem Markt akzeptieren, der durch die Angebots- und Nachfragekurve bestimmt wird. Niemand würde mit einer studierenden Person handeln, die einen höheren Preis verlangt oder einen niedrigeren anbietet, da jede eine andere kaufende oder verkaufende Person mit einem besseren Preis finden könnte. Die Marktteilnehmenden sind preisnehmend, weil es genügend Konkurrenz von anderen Kaufenden und Verkaufenden gibt, sodass sie bestenfalls zum gleichen Preis handeln können. Jeder kaufenden oder verkaufenden Person steht es natürlich frei, einen anderen Preis zu wählen, aber sie kann daraus keinen Nutzen ziehen.

Wir haben Beispiele gesehen, in denen sich die Marktteilnehmenden nicht preisnehmend verhalten: Ein Unternehmen, das ein differenziertes Produkt herstellt, kann ihren eigenen Preis festlegen, weil es keine unmittelbare Konkurrenz hat. Beachten Sie jedoch, dass die verkaufenden Unternehmen differenzierter Produkte zwar die Preise festlegen, die kaufenden Personen in Einheit 7 jedoch preisnehmend waren. Da es so viele Verbrauchende gibt, die Frühstücksflocken kaufen wollen, hat eine einzelne verbrauchende Person keine Macht, ein günstigeres Angebot auszuhandeln, sondern muss einfach den Preis akzeptieren, den alle anderen auch zahlen.

In dieser Einheit untersuchen wir Marktgleichgewichte, bei denen sowohl kaufende als auch verkaufende Personen oder Unternehmen preisnehmend sind. Wir gehen davon aus, dass beide Seiten des Marktes preisnehmend sind, wenn es viele Verkaufende gibt, die die gleichen Waren anbieten, und viele Kaufende, die sie kaufen möchten. Die Verkaufenden sind durch die Anwesenheit anderer Verkaufenden sowie der Kaufenden, die sich immer für das Angebot mit dem niedrigsten Preis entscheiden, gezwungen, den gängigen Preis zu übernehmen. Würde eine verkaufende Person versuchen, einen höheren Preis zu verlangen, würden die Kaufenden einfach woanders hingehen.

Marktgleichgewicht
Ein Marktergebnis, bei dem alle Käufer:innen und Verkäufer:innen preisnehmend sind und bei dem zum vorherrschenden Marktpreis die angebotene Menge gleich der nachgefragten Menge ist.

In ähnlicher Weise sind die Kaufenden preisnehmend, wenn es viele andere Kaufende gibt, und Verkaufende, die bereit sind, an diejenigen zu verkaufen, die den höchsten Preis zahlen. Auf beiden Seiten des Marktes beseitigt der Wettbewerb die Verhandlungsmacht. Wir werden das Gleichgewicht auf einem solchen Markt als Wettbewerbsgleichgewicht bezeichnen.

Ein Wettbewerbsgleichgewicht ist ein Nash-Gleichgewicht, denn angesichts dessen, was alle anderen tun (Handel zum Gleichgewichtspreis), kann keine Partei eine bessere Alternative als ihre Gleichgewichtshandlung finden (ebenfalls Handel zum Gleichgewichtspreis).

Übung 8.2 Preisnehmende

Denken Sie an einige der Güter, die Sie kaufen: Vielleicht verschiedene Arten von Lebensmitteln, Kleidung, Fahrkarten oder elektronische Güter.

  1. Gibt es viele Kaufende für diese Waren?
  2. Versuchen Sie, jeweils den niedrigsten Preis zu finden?
  3. Wenn nicht, warum nicht?
  4. Bei welchen Waren wäre der Preis Ihr Hauptkaufkriterium?
  5. Nutzen Sie Ihre Antworten, um zu entscheiden, ob die Kaufenden dieser Waren preisnehmend sind. Gibt es Waren, bei denen Sie als kaufende Person nicht preisnehmend auftreten?

Frage 8.2 Wählen Sie die richtige(n) Antwort(en)

Das Diagramm zeigt die Nachfragekurve und die Angebotskurve für ein Lehrbuch. Die Kurven schneiden sich im Schnittpunkt (Q, P) = (24, 8). Welche der folgenden Aussagen ist richtig?

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  • Bei einem Preis von 10 USD besteht ein Nachfrageüberhang für das Lehrbuch.
  • Bei einem Preis von 8 USD haben einige der Verkaufenden einen Anreiz, den Verkaufspreis auf 9 USD zu erhöhen.
  • Bei 8 USD räumt der Markt.
  • Es werden insgesamt 40 Bücher verkauft.
  • Bei 10 USD liegt der Preis über dem Gleichgewichtspreis von 8 USD und es besteht ein Angebotsüberhang an Büchern.
  • Bei 8 USD können alle Kaufenden mit einer Zahlungsbereitschaft von 8 USD oder mehr mit allen Verkaufenden mit einer Akzeptanzbereitschaft von 8 USD oder weniger zusammengebracht werden. Würde einer der verkaufenden Personen den Preis auf 9 USD anheben, könnte die kaufende Person eine andere verkaufende Person finden, die bereit wäre, weniger zu akzeptieren.
  • Bei 8 USD ist die nachgefragte Menge gleich der angebotenen Menge, das heißt der Markt räumt.
  • Die maximale Nachfrage liegt bei 40, von denen jedoch 16 nicht befriedigt werden können, da deren Zahlungsbereitschaft unter dem Markträumungspreis von 8 USD liegt.

8.3 Preisnehmende Unternehmen

Im Beispiel des gebrauchten Lehrbuchs sind sowohl die kaufenden als auch die Verkaufenden als auch Kaufenden einzelne Personen. Jetzt betrachten wir Märkte, auf denen die verkaufenden Personen Unternehmen sind. Wir wissen aus Einheit 7, wie Unternehmen ihren Preis und ihre Menge wählen, wenn sie differenzierte Produkte herstellen. Wir haben gesehen, dass, wenn andere Unternehmen ähnliche Produkte herstellen, ihre Preiswahl eingeschränkt ist (die Nachfragekurve für ihr eigenes Produkt wäre nahezu flach), weil eine Preiserhöhung die verbrauchenden Personen dazu veranlassen würde, auf andere, ähnliche Marken auszuweichen.

Wenn es viele Unternehmen gibt, die identische Produkte herstellen, und die Verbrauchenden leicht von einem Unternehmen zum anderen wechseln können, dann sind die Unternehmen im Gleichgewicht preisnehmend. Sie können nicht davon profitieren, wenn sie versuchen würden, einen Preis zu verlangen, der sich vom vorherrschenden Preis unterscheidet.

Um zu sehen, wie sich preisnehmende Unternehmen verhalten, betrachten wir eine Stadt, in der viele kleine Bäckereien Brot herstellen und es direkt an die Verbrauchenden verkaufen. Abbildung 8.4 zeigt, wie die Nachfragekurve des Marktes (die tägliche Gesamtnachfrage nach Brot aller Verbrauchenden in der Stadt) aussehen könnte. Sie ist wie üblich fallend, weil bei höheren Preisen weniger Verbrauchende bereit sind zu kaufen.

Die Nachfragekurve auf dem Markt für Brot.
: Die Nachfragekurve auf dem Markt für Brot.
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Die Nachfragekurve auf dem Markt für Brot.

Abbildung 8.4 Die Nachfragekurve auf dem Markt für Brot.

Nehmen wir an, Sie sind Eigentümer:in einer kleinen Bäckerei. Sie müssen entscheiden, welchen Preis Sie verlangen und wie viele Brote Sie jeden Morgen herstellen wollen. Nehmen wir an, dass die benachbarten Bäckereien die gleichen Brote wie Sie zu 2,35 EUR verkaufen. Dies ist der vorherrschende Marktpreis, und Sie können keine Brote zu einem höheren Preis als die anderen Bäckereien verkaufen, weil niemand ihre Brote kaufen würde—Sie sind preisnehmend.

Ihre Grenzkosten steigen mit der Produktionsmenge von Brot. Wenn die Menge gering ist, sind die Grenzkosten niedrig und liegen bei 1 EUR: Wenn Sie Mischer, Öfen und andere Geräte installiert und Personal eingestellt haben, sind die zusätzlichen Kosten für die Herstellung eines Brotes relativ gering, aber die Durchschnittskosten für ein Brot sind hoch. Wenn die Anzahl der Brote pro Tag steigt, sinken die Durchschnittskosten, aber die Grenzkosten beginnen allmählich zu steigen, weil Sie zusätzliches Personal einstellen und die Anlagen intensiver nutzen müssen. Bei höheren Mengen liegen die Grenzkosten über den Durchschnittskosten; dann steigen die Durchschnittskosten wieder an.

Die Kurven der Grenz- und Durchschnittskosten sind in Abbildung 8.5 dargestellt. Wie in Einheit 7 beinhalten die Kosten die Opportunitätskosten des Kapitals. Wäre der Preis gleich den Durchschnittskosten (P = TDK), wäre Ihr wirtschaftlicher Gewinn gleich Null. Sie würden dabei eine normale Rendite auf Ihr Kapital erzielen. Die Kurve der Durchschnittskosten (die unterste der blauen Kurven in Abbildung 8.5) ist also die Kurve des wirtschaftlichen Nullgewinns. Die Isogewinnkurven zeigen Preis- und Mengenkombinationen an, bei denen Sie einen höheren Gewinn erzielen würden. Wie wir in Einheit 7 erläutert haben, verlaufen die Isogewinnkurven fallend, wenn der Preis über den Grenzkosten liegt, und steigend, wenn der Preis unter den Grenzkosten liegt. Liegt der Preis über den Grenzkosten, kann der Gesamtgewinn nur dann unverändert bleiben, wenn eine größere Menge zu einem niedrigeren Preis verkauft wird. Liegt der Preis unter den Grenzkosten, kann der Gesamtgewinn nur dann unverändert bleiben, wenn eine größere Menge zu einem höheren Preis verkauft wird.

Abbildung 8.5 zeigt, wie Sie Ihre Entscheidung treffen können. Wie die Unternehmen in Einheit 7 stehen auch Sie vor einem beschränkten Optimierungsproblem. Sie wollen den Punkt des maximalen Gewinns in Ihrer realisierbaren Menge finden.

Der gewinnmaximierende Preis und die gewinnmaximierende Menge für eine Bäckerei.
: Der gewinnmaximierende Preis und die gewinnmaximierende Menge für eine Bäckerei.
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Der gewinnmaximierende Preis und die gewinnmaximierende Menge für eine Bäckerei.

Abbildung 8.5 Der gewinnmaximierende Preis und die gewinnmaximierende Menge für eine Bäckerei.

Grenzkosten- und Isogewinnkurven
: Die Bäckerei hat eine steigende GK-Kurve. Auf der TDK-Kurve ist der Gewinn gleich Null. Wenn GK > TDK ist, steigt die TDK-Kurve an. Die anderen Isogewinnkurven stellen höhere Gewinnniveaus dar, und die GK-Kurve geht durch die niedrigsten Punkte aller Isogewinnkurven.
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Grenzkosten- und Isogewinnkurven

Die Bäckerei hat eine steigende GK-Kurve. Auf der TDK-Kurve ist der Gewinn gleich Null. Wenn GK > TDK ist, steigt die TDK-Kurve an. Die anderen Isogewinnkurven stellen höhere Gewinnniveaus dar, und die GK-Kurve geht durch die niedrigsten Punkte aller Isogewinnkurven.

Den Preis als gegeben nehmen
: Die Bäckerei ist preisnehmend. Der Marktpreis beträgt P* = EUR 2,35. Wenn Sie einen höheren Preis wählen, wird die Kundschaft zu anderen Bäckereien gehen. Ihre realisierbare Menge an Preisen und Mengen ist der Bereich unterhalb der horizontalen Linie bei P*.
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Den Preis als gegeben nehmen

Die Bäckerei ist preisnehmend. Der Marktpreis beträgt P* = EUR 2,35. Wenn Sie einen höheren Preis wählen, wird die Kundschaft zu anderen Bäckereien gehen. Ihre realisierbare Menge an Preisen und Mengen ist der Bereich unterhalb der horizontalen Linie bei P*.

Der gewinnmaximierende Preis
: Der Punkt mit dem höchsten Gewinn in der realisierbaren Menge ist Punkt A, an dem die 80 EUR Isogewinnkurve die realisierbare Menge tangiert. Sie sollten 120 Brote pro Tag herstellen und sie zum Marktpreis von 2,35 EUR pro Stück verkaufen. Sie werden, zusätzlich zu den normalen Gewinnen, 80 EUR Gewinn pro Tag machen.
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Der gewinnmaximierende Preis

Der Punkt mit dem höchsten Gewinn in der realisierbaren Menge ist Punkt A, an dem die 80 EUR Isogewinnkurve die realisierbare Menge tangiert. Sie sollten 120 Brote pro Tag herstellen und sie zum Marktpreis von 2,35 EUR pro Stück verkaufen. Sie werden, zusätzlich zu den normalen Gewinnen, 80 EUR Gewinn pro Tag machen.

Die gewinnmaximierende Menge
: Ihre gewinnmaximierende Menge, Q* = 120, befindet sich an dem Punkt, an dem P* = GK: die Grenzkosten des 120. Brotes sind gleich dem Marktpreis.
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Die gewinnmaximierende Menge

Ihre gewinnmaximierende Menge, Q* = 120, befindet sich an dem Punkt, an dem P* = GK: die Grenzkosten des 120. Brotes sind gleich dem Marktpreis.

Da Sie preisnehmend sind, besteht die in der Abbildung schattierte realisierbare Menge aus allen Punkten, an denen der Preis kleiner oder gleich 2,35 EUR ist, dem Marktpreis. Ihre optimale Wahl ist P* = EUR 2,35 und Q* = 120, wobei die Isogewinnkurve die realisierbare Menge tangiert. Das Problem sieht ähnlich aus wie das für Beautiful Cars in Einheit 7, mit dem Unterschied, dass die Nachfragekurve für preisnehmende Unternehmen völlig flach ist. Für Ihre Bäckerei ist es nicht die Nachfragekurve des Marktes in Abbildung 8.4, die Ihre eigene Nachfrage beeinflusst, sondern der Preis, den Ihre Konkurrenz verlangt. Deshalb wird die horizontale Linie bei P* in Abbildung 8.5 als Nachfragekurve des preisnehmenden Unternehmens bezeichnet. Wenn Sie mehr als P* verlangen, ist Ihre Nachfrage gleich Null, aber bei P* oder weniger können Sie so viele Brote verkaufen, wie Sie wollen.

Abbildung 8.5 veranschaulicht eine sehr wichtige Eigenschaft von preisnehmenden Unternehmen. Sie entscheiden sich dafür, eine Menge zu produzieren, bei der die Grenzkosten gleich dem Marktpreis sind (GK = P*). Dies ist immer der Fall. Für ein preisnehmendes Unternehmen ist die Nachfragekurve für die eigene Produktion eine horizontale Linie, zusammenfallend mit dem Marktpreis, sodass der maximale Gewinn an einem Punkt der Nachfragekurve erreicht wird, an dem die Isogewinnkurve horizontal verläuft. Aus Einheit 7 wissen wir, dass bei horizontalen Isogewinnkurven der Preis gleich den Grenzkosten ist.

Eine andere Möglichkeit zu verstehen, warum ein preisnehmendes Unternehmen auf einem Produktionsniveau produziert, bei dem GK = P* ist, ist, darüber nachzudenken, wie sich die Gewinne des Unternehmens ändern würden, wenn es von diesem Punkt abweicht. Würde das Unternehmen seine Produktion auf ein Niveau erhöhen, bei dem GK > P* ist, würde die letzte Einheit mehr als P* kosten, sodass das Unternehmen mit dieser einen zusätzlichen Einheit einen Verlust machen und durch eine Verringerung der Produktion höhere Gewinne erzielen könnte. Würde es dort produzieren, wo GK < P* ist, könnte es mindestens eine weitere Einheit produzieren und diese mit Gewinn verkaufen. Daher sollte es die Produktion bis zu dem Punkt erhöhen, an dem GK = P* ist. Dies ist der Punkt, an dem die Gewinne maximiert werden.

Preisnehmendes Unternehmen

Ein preisnehmendes Unternehmen maximiert den Gewinn, indem es eine Menge wählt, bei der die Grenzkosten gleich dem Marktpreis sind (GK = P*) und zum Marktpreis P* verkauft.

Dies ist ein wichtiges Ergebnis, das Sie sich merken sollten, aber Sie müssen vorsichtig damit umgehen. Wenn wir Aussagen machen wie „bei einem preisnehmenden Unternehmen ist der Preis gleich den Grenzkosten“, meinen wir nicht, dass das Unternehmen einen Preis wählt, der seinen Grenzkosten entspricht. Vielmehr ist das Gegenteil gemeint: Das Unternehmen akzeptiert den Marktpreis und wählt seine Menge so, dass die Grenzkosten gleich diesem Preis sind.

Versetzen Sie sich noch einmal in die Lage der Eigentümer:inn einer Bäckerei. Was würden Sie tun, wenn sich der Marktpreis ändert? Abbildung 8.6 zeigt, dass Sie bei veränderten Preisen andere Punkte auf der Grenzkostenkurve wählen würden.

Die Angebotskurve des Unternehmens.
: Die Angebotskurve des Unternehmens.
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Die Angebotskurve des Unternehmens.

Abbildung 8.6 Die Angebotskurve des Unternehmens.

Eine Änderung des Preises
: Wenn der Marktpreis 2,35 EUR beträgt, liefern Sie 120 Brote. Was würden Sie tun, wenn sich der Preis ändert?
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Eine Änderung des Preises

Wenn der Marktpreis 2,35 EUR beträgt, liefern Sie 120 Brote. Was würden Sie tun, wenn sich der Preis ändert?

Wenn der Preis ansteigt
: Wenn P* auf 3,20 EUR steigen würde, könnten Sie eine höhere Isogewinnkurve erreichen. Um den Gewinn zu maximieren, sollten Sie 163 Brote pro Tag produzieren.
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Wenn der Preis ansteigt

Wenn P* auf 3,20 EUR steigen würde, könnten Sie eine höhere Isogewinnkurve erreichen. Um den Gewinn zu maximieren, sollten Sie 163 Brote pro Tag produzieren.

Wenn der Preis fällt
: Wenn der Preis auf 1,52 EUR fällt, könnten Sie nur die hellblaue Kurve erreichen. Ihre beste Wahl wären 66 Brote, und Ihr wirtschaftlicher Gewinn wäre gleich Null.
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Wenn der Preis fällt

Wenn der Preis auf 1,52 EUR fällt, könnten Sie nur die hellste blaue Kurve erreichen. Ihre beste Wahl wären 66 Brote, und Ihr wirtschaftlicher Gewinn wäre gleich Null.

Die Grenzkostenkurve ist die Angebotskurve
: In jedem Fall wählen Sie den Punkt auf Ihrer Grenzkostenkurve, bei dem GK = Marktpreis. Ihre Grenzkostenkurve ist Ihre Angebotskurve.
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Die Grenzkostenkurve ist die Angebotskurve

In jedem Fall wählen Sie den Punkt auf Ihrer Grenzkostenkurve, an dem GK = Marktpreis. Ihre Grenzkostenkurve ist Ihre Angebotskurve.

Für ein preisnehmendes Unternehmen ist die Grenzkostenkurve die Angebotskurve: Sie zeigt für jeden Preis die gewinnmaximierende Menge an, das heißt seine Menge, die das Unternehmen produzieren wird.

Beachten Sie jedoch, dass Sie bei einem Preis von unter 1,52 EUR einen Verlust machen würden. Die Angebotskurve zeigt, wie viele Brote Sie produzieren sollten, um den Gewinn zu maximieren, aber wenn der Preis zu niedrig ist, ist der wirtschaftliche Gewinn trotzdem negativ. Auf der Angebotskurve würden Sie also Ihren Verlust minimieren. In diesem Fall müssten Sie entscheiden, ob es sich lohnt, weiterhin Brote zu produzieren. Ihre Entscheidung hängt davon ab, was Sie für die Zukunft erwarten:

  • Wenn Sie erwarten, dass die Marktbedingungen schlecht bleiben, ist es vielleicht am besten, Ihre Bäckerei zu verkaufen und den Markt zu verlassen—Sie könnten anderswo eine bessere Rendite für Ihr Kapital erzielen.
  • Wenn Sie mit einem baldigen Preisanstieg rechnen, könnten Sie aber auch bereit sein, kurzfristige Verluste in Kauf zu nehmen, und es könnte sich lohnen, weiterhin Brot zu produzieren, wenn die Einnahmen Ihnen helfen, zumindest die Kosten für die Instandhaltung Ihrer Räumlichkeiten und die Beschäftigung von Personal zu decken.

Frage 8.3 Wählen Sie die richtige(n) Antwort(en)

Abbildung 8.5 zeigt die Grenz- und Durchschnittskostenkurven sowie die Isogewinnkurven einer preisnehmenden Bäckerei. Der Marktpreis für Brot beträgt P*= EUR 2,35. Welche der folgenden Aussagen ist richtig?

  • Die Angebotskurve des Unternehmens ist horizontal.
  • Bei einem Marktpreis von 2,35 EUR wird das Unternehmen 62 Brote anbieten und zwar an dem Punkt, an dem das Unternehmen keinen Gewinn erzielt.
  • Bei jedem Marktpreis ist das Angebot des Unternehmens durch den entsprechenden Punkt auf der Durchschnittskostenkurve gegeben.
  • Die Grenzkostenkurve ist die Angebotskurve des Unternehmens.
  • Die Nachfragekurve des Unternehmens ist horizontal. Die Angebotskurve ist steigend.
  • Bei einem Preis von 2,35 EUR maximiert das Unternehmen den Gewinn im Punkt A, wo es 120 Brote liefert.
  • Bei jedem Preis wählt das Unternehmen einen Punkt auf der höchsten erreichbaren Isogewinnkurve, das heißt einen Punkt auf der Grenzkostenkurve.
  • Bei jedem Preis maximiert das Unternehmen den Gewinn, indem es die entsprechende Menge auf der Grenzkostenkurve wählt. Die Grenzkostenkurve ist also die Angebotskurve.

8.4 Angebot und Gleichgewicht auf dem Markt

Auf dem Markt für Brot in der Stadt gibt es viele Verbrauchende und viele Bäckereien. Nehmen wir an, es gibt 50 Bäckereien. Jede Bäckerei hat eine Angebotskurve, die ihrer eigenen Grenzkostenkurve entspricht, sodass wir wissen, wie viel sie zu einem bestimmten Marktpreis liefern wird. Um die Angebotskurve des gesamten Marktes zu ermitteln, addieren wir einfach die Gesamtmenge, die alle Bäckereien zu jedem Preis liefern werden.

Abbildung 8.7 zeigt, wie dies funktioniert, wenn alle Bäckereien die gleichen Kostenfunktionen haben. Wir berechnen, wie viel eine Bäckerei zu einem bestimmten Preis liefern würde, und multiplizieren dann mit 50, um das Gesamtangebot auf dem Markt zu diesem Preis zu ermitteln.

Die Angebotskurven des Unternehmens und des Marktes.
: Die Angebotskurven des Unternehmens und des Marktes.
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Die Angebotskurven des Unternehmens und des Marktes.

Abbildung 8.7 Die Angebotskurven des Unternehmens und des Marktes.

Die Angebotskurve des Unternehmens
: Es gibt 50 Bäckereien, die alle die gleiche Kostenfunktion haben. Wenn der Marktpreis 2,35 EUR beträgt, wird jede Bäckerei 120 Brote produzieren.
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Die Angebotskurve des Unternehmens

Es gibt 50 Bäckereien, die alle die gleiche Kostenfunktion haben. Wenn der Marktpreis 2,35 EUR beträgt, wird jede Bäckerei 120 Brote produzieren.

Die Angebotskurve auf dem Markt
: Wenn P = EUR 2,35, liefert jede Bäckerei 120 Brote, und das Marktangebot beträgt 50 × 120 = 6000 Brote.
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Die Angebotskurve auf dem Markt

Wenn P = EUR 2,35 ist, liefert jede Bäckerei 120 Brote, und das Marktangebot beträgt 50 × 120 = 6000 Brote.

Angebotskurven der Unternehmen und des Markts sehen ähnlich aus
: Bei einem Preis von 1,52 EUR liefert jedes Unternehmen 66 Brote, und das Angebot auf dem Markt beträgt 3300. Die Angebotskurve des Marktes sieht aus wie die identische Angebotskurve der Unternehmen, aber die Skala auf der horizontalen Achse ist anders.
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Angebotskurven der Unternehmen und des Markts sehen ähnlich aus

Bei einem Preis von 1,52 EUR liefert jedes Unternehmen 66 Brote, und das Angebot auf dem Markt beträgt 3300. Die Angebotskurve des Marktes sieht aus wie die identische Angebotskurve der Unternehmen, aber die Skala auf der horizontalen Achse ist anders.

Was wäre, wenn die Unternehmen unterschiedliche Kostenfunktionen hätten?
: Wenn die Bäckereien unterschiedliche Kostenfunktionen hätten, dann würden bei einem Preis von 2,35 EUR einige Bäckereien mehr Brote produzieren als andere, aber wir könnten sie immer noch zusammenzählen, um das Marktangebot zu finden.
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Was wäre, wenn die Unternehmen unterschiedliche Kostenfunktionen hätten?

Wenn die Bäckereien unterschiedliche Kostenfunktionen hätten, dann würden bei einem Preis von 2,35 EUR einige Bäckereien mehr Brote produzieren als andere, aber wir könnten sie immer noch zusammenzählen, um das Marktangebot zu ermitteln.

Die Angebotskurve des Marktes zeigt die Gesamtmenge, die alle Bäckereien zusammen zu einem bestimmten Preis produzieren würden. Sie stellt auch die Grenzkosten für die Produktion eines Brotes dar, genau wie die Angebotskurve des Unternehmens. Liegt der Marktpreis beispielsweise bei 2,75 EUR, so beträgt das Gesamtangebot auf dem Markt 7000 Stück. Für jede Bäckerei betragen die Grenzkosten—die Kosten für die Produktion eines weiteren Brotes — 2,75 EUR. Das bedeutet, dass die Kosten für die Produktion des 7001. Brotes auf dem Markt 2,75 EUR betragen, unabhängig davon, welches Unternehmen es produziert. Die Angebotskurve des Marktes ist also die Grenzkostenkurve des gesamten Marktes.

Leibniz: Die Angebotskurven der Unternehmen und Märkte

Nun kennen wir sowohl die Nachfragekurve (Abbildung 8.4) als auch die Angebotskurve (Abbildung 8.7) für den gesamten Brotmarkt. Abbildung 8.8 zeigt, dass der Gleichgewichtspreis genau 2 EUR beträgt. Bei diesem Preis räumt der Markt: Die Verbrauchenden fragen 5000 Brote pro Tag nach, und die Unternehmen bieten 5000 Brote pro Tag an.

Gleichgewicht auf dem Markt für Brot.
: Gleichgewicht auf dem Markt für Brot.
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Gleichgewicht auf dem Markt für Brot.

Abbildung 8.8 Gleichgewicht auf dem Markt für Brot.

Leibniz: Das Marktgleichgewicht

Im Marktgleichgewicht produziert jede Bäckerei an dem Punkt, an dem ihre Grenzkosten 2 EUR betragen. Wenn Sie sich die Isogewinnkurven in Abbildung 8.6 ansehen, werden Sie feststellen, dass jede der Bäckereien oberhalb der jeweiligen Durchschnittskostenkurve anbietet. Das heißt das Gleichgewicht liegt oberhalb der Isogewinnkurve, bei der die wirtschaftlichen Gewinne gleich Null sind. Die Eigentümer:innen der Bäckereien erhalten also ökonomische Renten (Gewinne, die über den normalen Gewinn hinausgehen). Wann immer es ökonomische Renten gibt, besteht für jemanden die gründsätzliche Möglichkeit, zu profitieren. In diesem Fall könnten wir erwarten, dass die ökonomischen Renten weitere Bäckereien auf den Markt locken. Wie sich dies auf das Gleichgewicht des Marktes auswirken würde, werden wir gleich sehen.

Frage 8.4 Wählen Sie die richtige(n) Antwort(en)

In einem Wirtschaftszweig, in dem alle Unternehmen preisnehmend sind, gibt es zwei verschiedene Typen von Unternehmen, die ein Gut herstellen. Die Grenzkostenkurven der beiden Typen sind unten angegeben:

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Typ A ist effizienter als Typ B: Bei einem Output von 20 Einheiten haben die Unternehmen des Typs A Grenzkosten von 2 USD, während die Grenzkosten der Unternehmen des Typs B 3 USD betragen. Auf dem Markt gibt es 10 Firmen vom Typ A und 8 Firmen vom Typ B. Welche der folgenden Aussagen ist richtig?

  • Bei einem Preis von 2 USD beträgt das Marktangebot 450 Einheiten.
  • Der Markt bietet 510 Einheiten zum Preis von 3 USD an.
  • Bei einem Preis von 2 USD hängen die Grenzkosten des Marktes für die Bereitstellung einer zusätzlichen Einheit des Gutes von dem Typen des Unternehmens ab, das es produziert.
  • Bei unterschiedlichen Unternehmenstypen lässt sich die Grenzkostenkurve für den Markt nicht bestimmen.
  • Bei einem Preis von 2 USD bieten Unternehmen des Typs A 20 Einheiten und Unternehmen des Typs B 15 Einheiten an. Das Marktangebot beträgt also (10 × 20) + (8 × 15) = 320.
  • Bei 3 USD liefern Unternehmen des Typs A 35 Einheiten und Unternehmen des Typs B 20 Einheiten. Das Marktangebot beträgt also (10 × 35) + (8 × 20) = 510.
  • Beide Typen produzieren zu Grenzkosten von 2 USD. Die Marktgrenzkosten betragen also 2 USD, unabhängig davon, welches Unternehmen die zusätzliche Einheit produziert.
  • Die Grenzkostenkurve des Marktes ist die Angebotskurve. Wir können das Angebot zu jedem Preis wie in (a) und (b) berechnen.

8.5 Marktgleichgewicht: Gewinne aus Handel, Allokation und Verteilung

Die Kaufenden und Verkaufenden willigen freiwillig in den Handel ein, weil sie jeweils davon profitieren. Ihr gegenseitiger Nutzen aus der Allokation im Gleichgewicht lässt sich durch die in Einheit 7 eingeführten Wohlfahrtsgewinne der Verbrauchenden und Produzierenden messen. Jede kaufende Person, dessen Zahlungsbereitschaft für ein Gut höher als der Marktpreis ist, erhält eine ökonomische Wohlfahrt: Die Differenz zwischen der ZBS und dem gezahlten Preis. Ähnlich verhält es sich, wenn die Grenzkosten für die Produktion eines Gutes unter dem Marktpreis liegen: Dann erhält die produzierende Person einen Wohlfahrtsgewinn. Abbildung 8.9a zeigt, wie man die gesamte Wohlfahrt (den Nutzen aus dem Handel) beim Marktgleichgewicht auf dem Brotmarkt berechnet, so wie wir es für die Märkte in Einheit 7 getan haben.

Gleichgewicht auf dem Brotmarkt: Wohlfahrtsgewinne.
: Gleichgewicht auf dem Brotmarkt: Wohlfahrtsgewinne.
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Gleichgewicht auf dem Brotmarkt: Wohlfahrtsgewinne.

Abbildung 8.9a Gleichgewicht auf dem Brotmarkt: Wohlfahrtsgewinne.

Die Konsumentenrente
: Bei einem Gleichgewichtspreis von 2 EUR auf dem Brotmarkt erzielt eine verbrauchende Person, die bereit ist, 3,50 EUR zu zahlen, eine Konsumentenrente von 1,50 EUR.
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Die Konsumentenrente

Bei einem Gleichgewichtspreis von 2 EUR auf dem Brotmarkt erzielt eine verbrauchende Person, die bereit ist, 3,50 EUR zu zahlen, eine Konsumentenrente von 1,50 EUR.

Die aggregierter Konsumentenrente
: Die schraffierte Fläche über 2 EUR zeigt den Wohlfahrtsgewinn der Verbrauchenden—die Summe aller individuellen Konsumentenrenten der Kaufenden aus dem Handel.
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Die aggregierter Konsumentenrente

Die schraffierte Fläche über 2 EUR zeigt den Wohlfahrtsgewinn der Verbrauchenden—die Summe aller individuellen Konsumentenrenten der Kaufenden aus dem Handel.

Die Produzentenrente
: Erinnern Sie sich an Einheit 7: Die Produzentenrente für eine Einheit der Produktion ist die Differenz zwischen dem Preis, zu dem sie verkauft wird, und den Grenzkosten für ihre Herstellung ist. Die Grenzkosten für das 2000. Brot betragen 1,25 EUR; da es für 2 EUR verkauft wird, erzielt die produzierende Person einen Wohlfahrtsgewinn von 0,75 EUR.
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Die Produzentenrente

Erinnern Sie sich an Einheit 7: Die Produzentenrente für eine Einheit der Produktion ist die Differenz zwischen dem Preis, zu dem sie verkauft wird, und den Grenzkosten für ihre Herstellung ist. Die Grenzkosten für das 2000. Brot betragen 1,25 EUR; da es für 2 EUR verkauft wird, erzielt die produzierende Person einen Wohlfahrtsgewinn von 0,75 EUR.

Der gesamte Wohlfahrtsgewinn
: Die schattierte Fläche unter 2 EUR ist die Summe der individuellen Wohlfahrtsgewinne der Bäckereien für jedes von ihnen produzierte Brot. Die gesamte schraffierte Fläche zeigt die Summe aller individuellen Konsumenten- und Produzentenrenten aus dem Handel auf diesem Markt, die sogenannte gesamte Wohlfahrt.
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Der gesamte Wohlfahrtsgewinn

Die schattierte Fläche unter 2 EUR ist die Summe der individuellen Wohlfahrtsgewinne der Bäckereien für jedes von ihnen produzierte Brot. Die gesamte schraffierte Fläche zeigt die Summe aller individuellen Konsumenten- und Produzentenrenten aus dem Handel auf diesem Markt, die sogenannte gesamte Wohlfahrt.

Wenn sich der Markt für Brot im Gleichgewicht befindet und die Menge der angebotenen Brote gleich der nachgefragten Menge ist, ist die gesamte Wohlfahrt die Fläche unter der Nachfragekurve und über der Angebotskurve.

Beachten Sie, wie sich die Allokation des Gleichgewichts auf diesem Markt von der Allokation eines differenzierten Produkts, Beautiful Cars, in Einheit 7 unterscheidet. Das Gleichgewicht der Brotmenge liegt an dem Punkt, an dem die Angebotskurve des Marktes, die auch die Grenzkostenkurve ist, die Nachfragekurve kreuzt, und die gesamte Wohlfahrt ist die Fläche zwischen den beiden Kurven. Abbildung 7.13 zeigt, dass das Unternehmen, das Beautiful Cars herstellt, eine Menge produziert, die unter dem Punkt liegt, an dem die Grenzkostenkurve auf die Nachfragekurve trifft, und somit ist die gesamte Wohlfahrt im Vergleich niedriger.

Wohlfahrtsverlust
Ein Verlust der gesamten Wohlfahrt im Vergleich zu der gesamt möglichen Wohlfahrt einer Pareto-effizienten Allokation.

Die Allokation des Marktgleichgewichts von Brot hat die Eigenschaft, dass die gesamte Wohlfahrt maximiert wird. Abbildung 8.9b zeigt, dass der Wohlfahrtsgewinn kleiner wäre, wenn weniger als 5000 Brote produziert würden. Es gäbe Verbrauchende ohne Brot, die bereit wären, mehr als die Kosten für die Produktion eines weiteren Brotes zu zahlen, sodass es ungenutzte Vorteile aus dem Handel gäbe. Der Gesamtnutzen aus dem Handel auf dem Markt wäre geringer. Wir sagen, es gäbe einen Wohlfahrtsverlust im Ausmaß der in etwa dreieckigen Fläche. Den Produzierenden würden potenzielle Gewinne entgehen, und einige Verbrauchende wären nicht in der Lage, das Brot zu bekommen, für das sie zu zahlen bereit wären.

Leibniz: Nutzen aus Handel

Wohlfahrtsverlust.
: Wohlfahrtsverlust.
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Wohlfahrtsverlust.

Abbildung 8.9b Wohlfahrtsverlust.

Und wenn mehr als 5000 Brote produziert würden, wäre der Wohlfahrtsgewinn der zusätzlichen Brote negativ: Sie würden mehr kosten, als die Verbrauchenden zu zahlen bereit wären.

Der Ökonom Joel Waldfogel hat seinem Fachgebiet einen schlechten Ruf eingebracht, indem er behauptete, dass das Schenken von Geschenken zu Weihnachten zu einem Wohlfahrtsverlust führen kann.3 Wenn Sie ein Geschenk erhalten, das für Sie weniger wert ist, als es den Schenkenden gekostet hat, könnte man argumentieren, dass der Wohlfahrtsgewinn aus der Transaktion negativ ist. Stimmen Sie dem zu?4

Im Gleichgewicht werden alle potenziellen Wohlfahrtsgewinne aus dem Handel ausgeschöpft, das heißt es gibt keine Wohlfahrtsverluste. Diese Eigenschaft—dass die kombinierte Konsumenten- und Produzentenrente an dem Punkt maximiert wird, an dem das Angebot der Nachfrage entspricht—gilt generell: Wenn sowohl die Kaufenden als auch die Verkaufenden preisnehmend sind, maximiert die Gleichgewichtsallokation die Summe der durch den Handel auf dem Markt erzielten Wohlfahrt, relativ zur ursprünglichen Allokation. Wir besprechen dieses Ergebnis in unserem Einstein am Ende dieses Abschnitts.

Pareto-effizient

Pareto-effizient
Eine Allokation mit der Eigenschaft, dass es keine alternative technisch mögliche Allokation gibt, bei der mindestens eine Person besser und niemand schlechter gestellt wäre.

Bei der Allokation des Marktgleichgewichts auf dem Brotmarkt ist es nicht möglich, irgendeine verbrauchende Person oder ein verkaufendes Unternehmen besser zu stellen (das heißt die individuelle Wohlfahrt zu erhöhen), ohne mindestens eine andere Person schlechter zu stellen. Unter der Voraussetzung, dass das Geschehen auf diesem Markt niemanden außer den teilnehmenden Kaufenden und Verkaufenden beeinträchtigt, können wir sagen, dass die Allokation des Gleichgewichts Pareto-effizient ist.

Die Pareto-Effizienz ergibt sich aus drei Annahmen, die wir über den Brotmarkt getroffen haben.

Die Teilnehmenden sind preisnehmend

Die Teilnehmenden sind preisnehmend. Sie haben keine Marktmacht. Wenn eine bestimmte kaufende Person mit einer bestimmten verkaufenden Person handelt, weiß jede von ihnen, dass die andere Person alternative Handelspartner:innen finden kann, die bereit sind, zum Marktpreis zu handeln. Die Verkaufenden können den Preis aufgrund des Wettbewerbs mit anderen Verkaufenden nicht erhöhen, und der Wettbewerb mit anderen Kaufenden hindert die Kaufenden daran, den Preis zu senken. Daher werden die Produzierenden (und Verkaufenden) ihre Produktion so wählen, dass die Grenzkosten (die Kosten der letzten produzierten Einheit) gleich dem Marktpreis sind.

Im Gegensatz dazu besitzt ein produzierendes und verkaufendes Unternehmen (oder Person) eines differenzierten Gutes eine Verhandlungsmacht, weil es weniger Wettbewerb ausgesetzt ist: Niemand sonst produziert ein identisches Gut. Das Unternehmen nutzt diese Macht, um den Preis hoch zu halten, wodurch der eigene Teil am Wohlfahrtsgewinn steigt, die gesamte Wohlfahrt jedoch sinkt. Der Preis liegt über den Grenzkosten, sodass die Allokation pareto-ineffizient ist.

Ein vollständiger Vertrag

Der Tausch eines Brotlaibs gegen Geld wird durch einen vollständigen Vertrag zwischen der kaufenden und der verkaufenden Person geregelt. Wenn Sie zuhause feststellen, dass sich in der Tüte mit der Aufschrift „Brot“ kein Laib Brot befindet, können Sie Ihr Geld zurückverlangen. Vergleichen Sie dies mit dem unvollständigen Vertrag in Einheit 6, bei dem das Unternehmen die Zeit der beschäftigten Person kaufen kann, aber nicht sicher sein kann, wie viel Arbeitseinsatz diese Person leisten wird. Wir werden in Einheit 9 sehen, dass dies zu einer Pareto-ineffizienten Allokation auf dem Arbeitsmarkt führt.

Keine Auswirkungen auf andere

Wir haben implizit angenommen, dass die Geschehnisse auf diesem Markt niemanden außer die Kaufenden und Verkaufenden betreffen. Um die Pareto-Effizienz zu beurteilen, müssen wir alle von der Allokation Betroffenen berücksichtigen. Wenn zum Beispiel die frühmorgendlichen Aktivitäten der Bäckereien den Schlaf der Nachbarschaft stören, entstehen zusätzliche Kosten durch die Brotproduktion, und wir sollten in der Gesamtbetrachtung auch die Kosten für die Nachbarschaft der Bäckereien berücksichtigen. Wird dies unterlassen, dann kann man schließen, dass die Allokation des Gleichgewichts doch nicht Pareto-effizient ist. Wir werden diese Art von Problem in Einheit 12 untersuchen.

Fairness

Erinnern Sie sich an Einheit 5, dass es zwei Kriterien für die Bewertung einer Allokation gibt: Effizienz und Fairness. Selbst wenn wir der Meinung sind, dass die Allokation auf dem Markt Pareto-effizient ist, sollten wir daraus nicht schließen, dass sie unbedingt wünschenswert ist. Was können wir über Fairness im Fall des Brotmarktes sagen? Wir könnten die Verteilung der Wohlfahrtsgewinne aus dem Handel zwischen Produzierenden und Verbrauchenden untersuchen: Abbildung 8.9a zeigt, dass sowohl die verbrauchenden Personen als auch die Unternehmen einen Wohlfahrtsgewinn erzielen, und in diesem Beispiel ist die Konsumentenrente etwas höher als die Produzentenrente. Dies ist darauf zurückzuführen, dass die Nachfragekurve im Vergleich zur Angebotskurve relativ steil verläuft. Erinnern Sie sich auch an Einheit 7, dass eine steile Nachfragekurve einer geringen Elastizität der Nachfrage entspricht. In ähnlicher Weise entspricht die Steigung der Angebotskurve der Elastizität des Angebots: In Abbildung 8.9a ist die Nachfrage weniger elastisch als das Angebot.

Im Allgemeinen hängt die Verteilung der gesamten Wohlfahrt zwischen Verbrauchenden und Produzierenden von den relativen Elastizitäten von Nachfrage und Angebot ab.

Wir sollten auch die Lebensstandards der Marktteilnehmenden berücksichtigen. Wenn beispielsweise ein armer Student ein Buch von einer reichen Studentin kauft, könnte man meinen, dass ein Ergebnis, bei dem die arme Person weniger als den Marktpreis bezahlt, besser wäre, weil es gerechter wäre. Oder wenn die Verbrauchenden auf dem Brotmarkt außergewöhnlich arm wären, könnten wir beschließen, dass es besser wäre, ein Gesetz zu erlassen, das einen maximalen Brotpreis von weniger als 2 EUR festlegt, um ein gerechteres (wenn auch Pareto-ineffizientes) Ergebnis zu erzielen.5 In Einheit 11 werden wir uns mit den Auswirkungen einer solchen Regulierung der Märkte befassen.

Die Pareto-effiziente Allokation eines Marktgleichgewichts wird häufig als schlagkräftiges Argument für Märkte als Mittel zur Zuweisung von Ressourcen interpretiert. Wir müssen jedoch aufpassen, dass wir den Wert dieses Ergebnisses nicht überbewerten:

  • Die Allokation ist möglicherweise nicht Pareto-effizient: Wir haben möglicherweise nicht alles von Bedeutung berücksichtigt.
  • Es gibt andere wichtige Betrachtungen: Fairness, zum Beispiel.
  • Preisnehmende sind im wirklichen Leben schwer zu finden: Es ist nicht so einfach, eine reale Situation zu finden, das mit unserem einfachen Modell des Brotmarktes vereinbar ist (wie wir in Abschnitt 8.9 sehen werden).
Zahlungsbereitschaft (ZBS)
Ein Indikator dafür, wie sehr eine Person ein Gut schätzt, gemessen an dem Betrag, den sie maximal zahlen würde, um eine Einheit des Gutes zu erwerben. Siehe auch: Akzeptanzbereitschaft.
Akzeptanzbereitschaft (ABS)
Der Reservationspreis einer potenziell verkaufenden Person, die nur zu mindestens diesem Preis bereit ist, eine Einheit zu verkaufen. Siehe auch: Zahlungsbereitschaft.

Übung 8.3 Maximierung der ökonomischen Wohlfahrt

Betrachten wir einen Markt für Eintrittskarten für ein Fußballspiel. Sechs Fans des blauen Teams möchten Eintrittskarten kaufen; ihre Bewertungen für eine Eintrittskarte (ihre ZBS) sind 8, 7, 6, 5, 4, und 3. Das unten stehende Diagramm zeigt die Nachfragekurve. Sechs Fans des roten Teams haben bereits Karten, deren Reservationspreise (ABS) 2, 3, 4, 5, 6 und 7 betragen.

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  1. Zeichnen Sie die Angebots- und Nachfragekurven in ein Diagramm ein (Hinweis: Die Angebotskurve ist wie die Nachfragekurve auch eine Stufenfunktion).

Nehmen Sie an, dass alle Geschäfte zu einem einzigen Preis stattfinden sollen, wie auf einem Wettbewerbsmarkt, auf dem die Verkaufenden und Kaufenden preisnehmend sind.

  1. Zeigen Sie, dass im Gleichgewicht vier Geschäfte zustande kommen.
  2. Wie hoch ist der Gleichgewichtspreis?
  3. Berechnen Sie die Konsumentenrente (Kaufende), indem Sie die Wohlfahrtsgewinne der vier Kaufenden, die handeln, addieren.
  4. Berechnen Sie in ähnlicher Weise die Produzentenrente (oder den Wohlfahrtsgewinn der Kaufenden).
  5. Ermitteln Sie also die gesamte Wohlfahrt im Gleichgewicht.
  1. Nehmen wir nun an, dass der Markt durch Verhandlungen zwischen einzelnen kaufenden und verkaufenden Personen funktioniert. Finden Sie eine Möglichkeit, die Kaufenden und die Verkaufenden so zusammenzubringen, dass mehr als vier Geschäfte zustande kommen. (Tipp: Nehmen wir an, die Person mit der höchsten ZBS kauft bei der Person mit der höchsten ABS.)
  2. Berechnen Sie in diesem Fall den Wohlfahrtsgewinn aus jedem Handel.
  3. Wie ist die gesamte Wohlfahrt in diesem Fall im Vergleich zum Gleichgewicht?
  4. Gibt es ausgehend von der Allokation der Eintrittskarten, die Sie durch Verhandlungen erhalten haben und bei der mindestens fünf Eintrittskarten im Besitz von Fans des blauen Teams sind, eine Möglichkeit, durch weiteren Handel eine Person der Fans besser zu stellen, ohne jemanden schlechter zu stellen?

Übung 8.4 Wohlfahrtsgewinn und -verlust

  1. Skizzieren Sie ein Diagramm zur Veranschaulichung des Wettbewerbsmarkts für Brot, das das Gleichgewicht zeigt, bei dem 5000 Brote zu einem Preis von 2 EUR verkauft werden.
  2. Angenommen, die Bäckereien schließen sich zu einem Kartell zusammen. Sie einigen sich darauf, den Preis auf 2,70 EUR zu erhöhen und gemeinsam die Produktion zu drosseln, um die Anzahl der Brote zu liefern, die die Verbrauchenden zu diesem Preis nachfragen. Schattieren Sie die Flächen in Ihrem Diagramm, um die durch das Kartell verursachte Konsumentenrente, Produzentenrente und Wohlfahrtsverluste darzustellen.
  3. Bei welchen Gütern würden Sie erwarten, dass die Angebotskurve hochelastisch ist?
  4. Zeichnen Sie Diagramme, um zu veranschaulichen, wie der Teil des Wohlfahrtsgewinns, den die produzierenden Unternehmen erhalten, von der Elastizität der Angebotskurve abhängt.

Frage 8.5 Wählen Sie die richtige(n) Antwort(en)

In Abbildung 8.9a wird gezeigt, dass der Output und der Preis des Marktes für Brot im Gleichgewicht bei (Q*, P*) = (5000, EUR 2) liegen. Angenommen, die Bürgermeisterin ordnet an, dass die Bäckereien so viel Brot verkaufen müssen, wie die Verbrauchenden wünschen, und zwar zu einem Preis von 1,50 EUR. Welche der folgenden Aussagen sind richtig?

  • Die Konsumenten- und die Produzentenrente steigen beide.
  • Die Produzentenrente steigt, während die Konsumentenrente sinkt.
  • Die Konsumentenrente steigt, während die Produzentenrente sinkt.
  • Die gesamte Wohlfahrt ist niedriger als bei dem Marktgleichgewicht.
  • Die Produzentenrente ist niedriger, weil der Preis unter den Grenzkosten liegt.
  • Die Konsumentenrente ist höher, weil der Preis für die ersten 5000 Brote niedriger ist und für die weiteren Brote unter der Zahlungsbereitschaft der Verbrauchenden liegt.
  • Die Verbrauchenden profitieren von dem niedrigeren Preis, aber die Produzierenden verlieren, weil der Preis unter den Grenzkosten liegt.
  • Es gibt einen Wohlfahrtsverlust, der der Fläche des Dreiecks zwischen der Angebots- und der Nachfragekurve rechts vom Gleichgewicht entspricht.

Frage 8.6 Wählen Sie die richtige(n) Antwort(en)

Welche der folgenden Aussagen über eine Allokation im Marktgleichgewicht sind richtig?

  • Es ist die bestmögliche Allokation.
  • Keine Wohlfahrt einer kaufenden oder einer verkaufenden Person kann erhöht werden, ohne die Wohlfahrt einer anderen Person zu verringern.
  • Die Allokation muss Pareto-effizient sein.
  • Der Nutzen aus dem Handel wird maximiert.
  • Die Allokation maximiert die gesamte Wohlfahrt, aber das bedeutet nicht, dass sie für jeden auf dem Markt am besten ist—wir könnten sie beispielsweise für ungerecht halten.
  • Das muss so sein, denn die Allokation maximiert die Wohlfahrt.
  • Die Allokation des Gleichgewichts ist möglicherweise nicht Pareto-effizient, wenn sie andere Personen als die kaufenden oder verkaufenden Personen betrifft.
  • Dies ist eine allgemeine Eigenschaft des Marktgleichgewichts.

Einstein Gesamte Wohlfahrt und ZBS

Wie auch immer der Markt funktioniert und welche Preise auch immer gezahlt werden, wir können die Konsumentenrente berechnen, indem wir die Differenzen zwischen der ZBS und dem gezahlten Preis für alle Kaufenden addieren. Das gleiche gilt auch für die Produzentenrente, indem wir die Differenz zwischen dem erhaltenen Preis und den Grenzkosten für jede Einheit der Produktion addieren:

Bei der Berechnung der gesamten Wohlfahrt heben sich die gezahlten und erhaltenen Preise auf:

Wenn die Kaufenden und die Verkaufenden preisnehmend sind und der Preis Angebot und Nachfrage ausgleicht, ist die gesamte Wohlfahrt so hoch wie möglich, weil die Verbrauchenden mit der höchsten ZBS das Produkt kaufen und die Einheiten der Produktion mit den niedrigsten Grenzkosten verkauft werden. An jedem Handel ist eine kaufende Person beteiligt, deren ZBS höher ist als der Reservationspreis der verkaufenden Person, sodass die Wohlfahrtsgewinne sinken würden, wenn wir eine von ihnen wegließen. Und wenn wir versuchen würden, weitere Outputeinheiten in diese Berechnung einzubeziehen, würde der Wohlfahrtsgewinn ebenfalls sinken, da die ZBS niedriger wären als die GK.

8.6 Veränderungen von Angebot und Nachfrage

Quinoa ist eine Getreideart, die auf dem Altiplano, einer kargen Hochebene in den südamerikanischen Anden, angebaut wird. In Peru und Bolivien ist sie ein traditionelles Grundnahrungsmittel. In den letzten Jahren ist die Nachfrage durch reiche, gesundheitsbewusste Personen in Europa und Nordamerika stark gestiegen, da die ausgezeichneten ernährungsphysiologischen Eigenschaften von Quinoa bekannt wurden. Die Abbildungen 8.10a-c zeigen, wie sich der Markt dadurch verändert hat. Aus den Abbildungen 8.10a und 8.10b geht hervor, dass sich der Preis von Quinoa zwischen 2001 und 2011 verdreifacht und die Produktion fast verdoppelt hat. Abbildung 8.10c zeigt die Stärke des Nachfrageanstiegs: Die globalen Ausgaben für Importe von Quinoa stiegen innerhalb von 10 Jahren von nur 2,4 Millionen USD auf 43,7 Millionen USD.

Die Produktion von Quinoa.
: Die Produktion von Quinoa.
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Die Produktion von Quinoa.

Abbildung 8.10a Die Produktion von Quinoa.

Jose Daniel Reyes und Julia Oliver. ‚Quinoa: The Little Cereal That Could‘. The Trade Post. 22 November 2013. Zugrunde liegende Daten von der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen. FAOSTAT Database.

Für die Produzierenden sind diese Veränderungen ein zweifelhafter Segen. Während das Grundnahrungsmittel der armen Verbrauchenden teurer geworden ist, profitieren die Landwirtinnen und Landwirte—die zu den Ärmsten gehören—vom Boom der Exporte. Andere Länder untersuchen nun, ob Quinoa auch in anderen Klimazonen angebaut werden kann, und Frankreich sowie die USA sind zu bedeutenden Produzierenden geworden.

Preise der Produzierenden für Quinoa.
: Preise der Produzierenden für Quinoa.
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Preise der Produzierenden für Quinoa.

Abbildung 8.10b Preise der Produzierenden für Quinoa.

Jose Daniel Reyes und Julia Oliver. ‚Quinoa: The Little Cereal That Could‘. The Trade Post. 22 November 2013. Zugrunde liegende Daten von der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen. FAOSTAT Database.

Wie lässt sich der rasante Preisanstieg von Quinoa erklären? In diesem Abschnitt betrachten wir die Auswirkungen von Nachfrage- und Angebotsveränderungen an unseren einfachen Beispielen für Bücher und Brot. Am Ende dieses Abschnitts können Sie diese Analyse auf den realen Fall von Quinoa anwenden.

Globale Importnachfrage nach Quinoa.
: Globale Importnachfrage nach Quinoa.
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Globale Importnachfrage nach Quinoa.

Abbildung 8.10c Globale Importnachfrage nach Quinoa.

Jose Daniel Reyes und Julia Oliver. ‚Quinoa: The Little Cereal That Could‘. The Trade Post. 22 November 2013. Zugrunde liegende Daten der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen. FAOSTAT Database.

Ein Anstieg der Nachfrage

Auf dem Markt für gebrauchte Lehrbücher trifft die Nachfrage von neuen Studierenden, die sich für den Kurs einschreiben, auf das Angebot von Studierenden, die den Kurs im Vorjahr belegt haben. In Abbildung 8.11 haben wir Angebot und Nachfrage nach Lehrbüchern aufgetragen, wenn die Zahl der Studierenden, die sich für einen Kurs anmelden, konstant bei 40 pro Jahr liegt. Der Gleichgewichtspreis beträgt 8 USD, und es werden 24 Bücher verkauft, wie aus Punkt A hervorgeht. Abbildung 8.11 zeigt, was dann passieren würde.

Ein Anstieg der Nachfrage nach Büchern.
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Abbildung 8.11 Ein Anstieg der Nachfrage nach Büchern.

Der ursprüngliche Gleichgewichtspunkt
: Bei den ursprünglichen Nachfrage- und Angebotsniveaus befindet sich das Gleichgewicht am Punkt A. Der Preis beträgt 8 USD, und es werden 24 Bücher verkauft.
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Der ursprüngliche Gleichgewichtspunkt

Bei den ursprünglichen Nachfrage- und Angebotsniveaus liegt das Gleichgewicht bei Punkt A. Der Preis beträgt 8 USD, und es werden 24 Bücher verkauft.

Ein Anstieg der Nachfrage
: Wenn sich in einem Jahr mehr Studierende einschreiben würden, gäbe es bei jedem möglichen Preis mehr Studierende, die das Buch kaufen wollen. Die Nachfragekurve verschiebt sich nach rechts.
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Ein Anstieg der Nachfrage

Wenn sich in einem Jahr mehr Studierende einschreiben würden, gäbe es auch mehr Studierende, die das Buch zu jedem möglichen Preis kaufen wollen. Die Nachfragekurve verschiebt sich nach rechts.

Nachfrageüberhang bei einem Preis von 8 USD
: Wenn der Preis bei 8 USD bliebe, gäbe es einen Nachfrageüberhang nach Büchern, das heißt mehr potenziell Kaufende als Verkaufende.
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Nachfrageüberhang bei einem Preis von 8 USD

Wenn der Preis bei 8 USD bliebe, gäbe es einen Nachfrageüberhang nach Büchern, das heißt mehr potenziell Kaufende als Verkaufende.

Ein neuer Gleichgewichtspunkt
: Es gibt ein neues Gleichgewicht am Punkt B mit einem Preis von 10 USD, bei dem 32 Bücher verkauft werden. Der Anstieg der Nachfrage hat zu einem Anstieg der Gleichgewichtsmenge und des Gleichgewichtspreises geführt.
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Ein neuer Gleichgewichtspunkt

Es gibt ein neues Gleichgewicht am Punkt B mit einem Preis von 10 USD, zu dem 32 Bücher verkauft werden. Der Anstieg der Nachfrage hat zu einem Anstieg der Gleichgewichtsmenge und des Preises geführt.

Eine Nachfragesteigerung führt zu einem neuen Gleichgewicht, bei dem 32 Bücher für je 10 USD verkauft werden. Beim ursprünglichen Preis gäbe es einen Nachfrageüberhang und die Verkaufenden würden ihre Preise anheben wollen. Im neuen Gleichgewicht sind sowohl der Preis als auch die Menge höher. Einige Studierende, die ihre Bücher nicht für 8 USD verkauft hätten, werden zum nun höheren Preis verkaufen. Beachten Sie jedoch, dass trotz der gestiegenen Nachfrage nicht alle Studierenden, die das Buch für 8 USD gekauft hätten, das Buch im neuen Gleichgewicht kaufen werden: Diejenigen, deren ZBS zwischen 8 und 10 USD liegt, wollen nicht mehr kaufen.

Wenn wir von einer „Nachfragesteigerung“ sprechen, ist es wichtig, genau zu wissen, was wir meinen:

  • Die Nachfrage ist nun bei jedem möglichen Preis höher, die Nachfragekurve hat sich also verschoben.
  • Als Reaktion auf diese Verschiebung kommt es zu einer Änderung des Preises.
  • Dies führt zu einem Anstieg der Angebotsmenge.
  • Diese Veränderung ist eine Bewegung entlang der Angebotskurve.
  • Die Angebotskurve selbst hat sich jedoch nicht verschoben (die Anzahl der Verkaufenden und ihre Reservationspreise haben sich nicht geändert), sodass wir dies nicht als „Angebotssteigerung“ bezeichnen.

Nach einer Erhöhung der Nachfrage steigt die Gleichgewichtsmenge, aber auch der Preis. In Abbildung 8.11 ist zu sehen, dass der Preis umso stärker steigt, je steiler (inelastischer) die Angebotskurve ist, und die Menge umso weniger zunimmt. Ist die Angebotskurve eher flach (elastisch), dann ist der Preisanstieg geringer und die verkaufte Menge reagiert stärker auf den Nachfrageschock.

Ein Anstieg des Angebots aufgrund von Produktivitätssteigerungen

Als Beispiel für einen Angebotsanstieg können Sie sich dagegen den Markt für Brot in einer Stadt vorstellen. Denken Sie daran, dass die Angebotskurve die Grenzkosten der Brotherstellung darstellt. Nehmen wir an, die Bäckereien entdecken eine neue Technik, die es jeder Bäckerei ermöglicht, Brot schneller herzustellen. Dadurch sinken die Grenzkosten für einen Laib bei jedem Produktionsniveau. Mit anderen Worten: Die Grenzkostenkurve jeder Bäckerei verschiebt sich nach unten.

Abbildung 8.12 zeigt die ursprünglichen Angebots- und Nachfragekurven für die Bäckereien. Wenn sich die GK-Kurve jeder Bäckerei nach unten verschiebt, verschiebt sich auch die Angebotskurve des Marktes für Brot. Schauen Sie sich Abbildung 8.12 an, um zu sehen, was dann passiert.

Eine Erhöhung des Angebots an Brot: Ein Rückgang der GK.
: Eine Erhöhung des Angebots an Brot: Ein Rückgang der GK.
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Eine Erhöhung des Angebots an Brot: Ein Rückgang der GK.

Abbildung 8.12 Ein Anstieg des Angebots an Brot: Ein Rückgang der GK.

Der anfängliche Gleichgewichtspunkt
: Die Bäckereien der Stadt beginnen am Punkt A, produzieren 5000 Brote und verkaufen sie für 2 EUR pro Stück.
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Der anfängliche Gleichgewichtspunkt

Die Bäckereien der Stadt beginnen am Punkt A, produzieren 5000 Brote und verkaufen sie für 2 EUR pro Stück.

Ein Rückgang der Grenzkosten
: Die Angebotskurve des Marktes verschiebt sich dann aufgrund des Rückgangs der Grenzkosten der Bäckereien. Die Angebotskurve verschiebt sich nach unten, weil bei jedem Produktionsniveau die Grenzkosten und damit der Preis, zu dem sie bereit sind, Brot zu produzieren, niedriger sind.
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Ein Rückgang der Grenzkosten

Die Angebotskurve des Marktes verschiebt sich dann aufgrund des Rückgangs der Grenzkosten der Bäckereien. Die Angebotskurve verschiebt sich nach unten, weil bei jedem Produktionsniveau die Grenzkosten und damit der Preis, zu dem sie bereit sind, Brot zu produzieren, niedriger sind.

Eine Erhöhung des Angebots
: Die Angebotskurve hat sich nach unten verschoben. Man kann diese Veränderung des Angebots aber auch so sehen, dass sich die Angebotskurve nach rechts verschoben hat. Da die Kosten gesunken sind, ist die Menge, die die Bäckereien zu jedem Preis liefern werden, größer—ein Anstieg des Angebots.
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Eine Erhöhung des Angebots

Die Angebotskurve hat sich nach unten verschoben. Man kann diese Veränderung des Angebots aber auch so sehen, dass sich die Angebotskurve nach rechts verschoben hat. Da die Kosten gesunken sind, ist die Menge, die die Bäckereien zu jedem Preis liefern werden, größer—ein Anstieg des Angebots.

Angebotsüberhang bei einem Preis von 2 EUR
: Der Rückgang der Grenzkosten führt zu einer Erhöhung des Angebots auf dem Markt. Zum ursprünglichen Preis gibt es mehr Brot, als die Kaufenden nachfragen (Angebotsüberhang). Die Bäckereien würden ihre Preise senken wollen.
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Angebotsüberhang bei einem Preis von 2 EUR

Der Rückgang der Grenzkosten führt zu einer Erhöhung des Angebots auf dem Markt. Zum ursprünglichen Preis gibt es mehr Brot, als die Kaufenden nachfragen (Angebotsüberhang). Die Bäckereien würden ihre Preise senken wollen.

Der neue Gleichgewichtspunkt
: Das neue Gleichgewicht des Marktes liegt bei Punkt B, wo mehr Brot verkauft wird und der Preis niedriger ist. Die Nachfragekurve hat sich nicht verschoben, aber der Rückgang des Preises hat zu einem Anstieg der nachgefragten Brotmenge entlang der Nachfragekurve geführt.
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Der neue Gleichgewichtspunkt

Das neue Gleichgewicht auf dem Markt liegt bei Punkt B, wo mehr Brot verkauft wird und der Preis niedriger ist. Die Nachfragekurve hat sich nicht verschoben, aber der Rückgang des Preises hat zu einem Anstieg der nachgefragten Brotmenge entlang der Nachfragekurve geführt.

Die Verbesserung der Technologie der Brotherstellung führt zu:

  • Einer Erhöhung des Angebots
  • Einem Rückgang des Brotpreises
  • Einem Anstieg der verkauften Menge

Leibniz: Verschiebungen von Angebot und Nachfrage

Schock
Eine exogene Änderung einiger der in einem Modell verwendeten Fundamentaldaten.
exogen
Von außerhalb des Modells kommend und nicht durch das Modell selbst bestimmt. Siehe auch: endogen.

Wie im Beispiel einer Nachfragesteigerung ist eine Preisanpassung notwendig, um den Markt ins Gleichgewicht zu bringen. Solche Verschiebungen bei Angebot und Nachfrage werden in der Volkswirtschaftslehre häufig als Schock bezeichnet. Wir beginnen damit ein Modell zu beschreiben und finden dafür ein Gleichgewicht. Dann untersuchen wir, wie sich dieses Gleichgewicht verändert, wenn sich etwas ändert—das Modell erhält einen Schock. Der Schock wird exogen genannt, weil unser Modell nicht erklärt, warum der Schock passiert ist: Das Modell zeigt die Folgen, nicht die Ursachen.

Ein Anstieg des Angebots: Mehr Bäckereien drängen auf den Markt

Ein weiterer Grund für eine Veränderung des Marktangebots ist der Eintritt weiterer Unternehmen oder das Ausscheiden bestehender Unternehmen. Wir haben das Gleichgewicht des Brotmarktes für den Fall analysiert, dass es 50 Bäckereien in der Stadt gibt. Aus Abschnitt 8.4 wissen wir, dass sich bei einem Gleichgewichtspreis von 2 EUR jede Bäckerei auf einer Isogewinnkurve oberhalb der Durchschnittskostenkurve befindet. Wenn die wirtschaftlichen Gewinne größer als Null sind, erhalten die Unternehmen eine ökonomische Rente, sodass andere Unternehmen möglicherweise in das Bäckereigeschäft investieren und einsteigen möchten.

Markteintrittskosten
Kosten für den Start einer Unternehmung, die entstehen, wenn ein Unternehmen in einen Markt oder eine Industrie eintritt. Dazu gehören in der Regel die Kosten für den Erwerb und die Ausstattung neuer Räumlichkeiten, für Forschung und Entwicklung, für die erforderlichen Patente sowie für die Suche und Einstellung von Beschäftigten

Da die Möglichkeit besteht, durch den Verkauf von Brot in der Stadt einen höheren als den normalen Gewinn zu erzielen, könnten sich neue Bäckereien für den Eintritt in den Markt entscheiden. Es werden Markteintrittskosten anfallen, zum Beispiel für den Erwerb und die Ausstattung von Räumlichkeiten. Aber solange diese nicht zu hoch sind (oder wenn Räumlichkeiten und Ausstattung leicht verkauft werden können, wenn das Unternehmen keinen Erfolg hat), wird es sich lohnen, in den Markt einzutreten.

Erinnern Sie sich daran, dass wir die Angebotskurve des Marktes ermitteln, indem wir die von allen Unternehmen gelieferten Brotmengen zu jedem Preis addieren. Wenn mehr Bäckereien in den Markt eintreten, wird auf jedem Preisniveau mehr Brot angeboten. Obwohl der Grund für die Angebotssteigerung ein anderer ist als der vorherige, ist die Auswirkung auf das Gleichgewicht des Marktes dieselbe: Ein Rückgang des Preises und ein Anstieg des Brotabsatzes. Abbildung 8.13 zeigt die Auswirkungen auf das Gleichgewicht. Die Bäckereien beginnen wieder im Punkt A und verkaufen 5000 Brote für 2 EUR. Durch den Eintritt neuer Unternehmen verschiebt sich die Angebotskurve nach außen. Zu jedem Preis wird mehr Brot verkauft, sodass beim ursprünglichen Preis ein Angebotsüberhang entsteht. Das neue Gleichgewicht befindet sich am Punkt B mit einem niedrigeren Preis und einem höheren Brotabsatz.

Eine Erhöhung des Angebots an Brot: Mehr Unternehmen treten ein.
: Eine Erhöhung des Angebots an Brot: Mehr Unternehmen treten ein.
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Eine Erhöhung des Angebots an Brot: Mehr Unternehmen treten ein.

Abbildung 8.13 Ein Anstieg des Angebots an Brot: Mehr Unternehmen treten ein.

Der Markteintritt neuer Unternehmen wird von den bestehenden Bäckereien wahrscheinlich nicht begrüßt werden. Ihre Kosten haben sich nicht verändert, aber der Marktpreis ist auf 1,75 EUR gesunken, sodass sie weniger Gewinn machen als zuvor. Wie wir in Einheit 11 sehen werden, kann der Markteintritt neuer Unternehmen die wirtschaftlichen Gewinne schließlich auf Null drücken, sodass die Renten gänzlich wegfallen.

Übung 8.5 Der Markt für Quinoa

Betrachten Sie erneut den Markt für Quinoa. Die in Abbildung 8.10a-c gezeigten Veränderungen können als Verschiebungen von Angebot und Nachfrage analysiert werden.

  1. Nehmen wir an, dass die Nachfrage nach Quinoa in den frühen 2000er Jahren unerwartet gestiegen ist (Verschiebung der Nachfragekurve). Was würden Sie erwarten, was mit dem Preis und der Menge zunächst geschehen würde?
  2. Angenommen, die Nachfrage würde in den nächsten Jahren weiter steigen, wie würde die Landwirtschaft darauf reagieren?
  3. Warum blieb der Preis bis 2007 konstant?
  4. Wie erklären Sie sich den raschen Preisanstieg in den Jahren 2008 und 2009?
  5. Würden Sie erwarten, dass der Preis irgendwann auf sein ursprüngliches Niveau zurückfällt?

Übung 8.6 Preise, Schocks und Revolutionen

Historiker:innen führen die Welle der Revolutionen in Europa im Jahr 1848 oft auf langfristige sozioökonomische Faktoren und eine Welle neuer radikaler Ideen zurück. Eine schlechte Weizenernte im Jahr 1845 führte jedoch zu einer Lebensmittelknappheit und einem drastischen Preisanstieg, was zu diesen plötzlichen Veränderungen beigetragen haben könnte.6

Die Tabelle zeigt die Durchschnitts- und Höchstpreise für Weizen von 1838 bis 1845 im Verhältnis zum Silberpreis. Es gibt drei Gruppen von Ländern: Solche, in denen gewaltsame Revolutionen stattfanden, solche, in denen ein Verfassungswandel ohne weit verbreitete Gewalt stattfand, und solche, in denen keine Revolution stattfand.

  1. Erklären Sie anhand von Angebots- und Nachfragekurven, wie eine schlechte Weizenernte zu Preissteigerungen und Nahrungsmittelknappheit führen kann.
  2. Finden Sie einen Weg, die Daten so darzustellen, dass sie zeigen, dass das Ausmaß des Preisschocks und nicht das Preisniveau mit der Wahrscheinlichkeit einer Revolution zusammenhängt.
  3. Glauben Sie, dass dies eine plausible Erklärung für die aufgetretenen Revolutionen ist?
  4. Ein Journalist vermutet, dass ähnliche Faktoren beim Arabischen Frühling 2010 eine Rolle gespielt haben. Lesen Sie den Beitrag. Was halten Sie von dieser Hypothese?
Durchschnittspreis 1838–45 Max. Preis 1845–48
Gewaltsame Revolution 1848 Österreich 52,9 104,0
Baden 77,0 136,6
Bayern 70,0 127,3
Böhmen 61,5 101,2
Frankreich 93,8 149,2
Hamburg 67,1 108,7
Hessn-Darmstadt 76,7 119,7
Ungarn 39,0 92,3
Lombardei 88,3 119,9
Mecklenburg-Schwerin 72,9 110,9
Kirchenstaat 74,0 105,1
Preußen 71,2 110,7
Sachsen 73,3 125,2
Schweiz 87,9 146,7
Württemberg 75,9 128,7
Sofortige Verfassungsänderung 1848 Belgien 93,8 140,1
Bremen 76,1 109,5
Braunschweig 62,3 100,3
Dänemark 66,3 81,5
Niederlande 82,6 136,0
Oldenburg 52,1 79,3
Keine Revolution 1848 England 115,3 134,7
Finnland 73,6 73,7
Norwegen 89,3 119,7
Russland 50,7 44,1
Spanien 105,3 141,3
Schweden 75,8 81,4

Berger, Helge, und Mark Spoerer. 2001. ‚Economic Crises and the European Revolutions of 1848.‘ The Journal of Economic History 61 (2): pp. 293–326.

Frage 8.7 Wählen Sie die richtige(n) Antwort(en)

Abbildung 8.8 zeigt, dass das Gleichgewicht des Brotmarktes bei 5000 Broten pro Tag zum Preis von 2 EUR liegt. Ein Jahr später stellen wir fest, dass der Gleichgewichtspreis des Marktes auf 1,50 EUR gefallen ist. Was können wir daraus schließen?

  • Der Preisrückgang muss durch eine Abwärtsverschiebung der Nachfragekurve verursacht worden sein.
  • Der Preisrückgang muss durch eine Abwärtsverschiebung der Angebotskurve verursacht worden sein.
  • Der Preisrückgang könnte durch eine Verschiebung einer der beiden Kurven verursacht worden sein.
  • Bei einem Preis von 1,50 EUR gibt es einen Nachfrageüberhang nach Brot.
  • Dies ist nicht die einzige mögliche Ursache für einen Preisrückgang.
  • Dies ist nicht die einzige mögliche Ursache für einen Preisrückgang.
  • Eine Abwärtsverschiebung einer der beiden Kurven würde den Preis fallen lassen. Wenn wir wüssten, ob der Output gestiegen oder gesunken ist, könnten wir feststellen, welche Kurve sich verschoben hat.
  • Beim Gleichgewichtspreis des Marktes gibt es weder einen Nachfrageüberhang noch einen Angebotsüberhang.

Frage 8.8 Wählen Sie die richtige(n) Antwort(en)

Welche der folgenden Aussagen sind richtig?

  • Ein Rückgang des Zinssatzes für Hypotheken würde die Nachfragekurve für neue Häuser nach oben verschieben.
  • Die Markteinführung eines neuen Sony-Smartphones würde die Nachfragekurve für bestehende iPhones nach oben verschieben.
  • Ein Rückgang des Ölpreises würde die Nachfragekurve für Öl nach oben verschieben.
  • Ein Rückgang des Ölpreises würde die Angebotskurve für Kunststoffe nach unten verschieben.
  • Wenn die Aufnahme von Hypotheken günstiger wird, werden mehr Menschen Häuser zu jedem Preis kaufen wollen.
  • Die Einführung eines Substituts würde die Nachfrage verringern und die Nachfragekurve nach unten verschieben.
  • Die nachgefragte Ölmenge würde durch die Bewegung entlang der Nachfragekurve steigen; die Kurve selbst würde sich nicht bewegen.
  • Die Grenzkosten für die Produktion von Kunststoffen würden sinken, sodass sich die Angebotskurve nach unten verschieben würde.

8.7 Die Auswirkungen von Steuern

Regierungen können Steuern erheben, um Einnahmen zu erzielen (zur Finanzierung von Staatsausgaben oder zur Umverteilung von Ressourcen) oder um die Allokation von Waren und Dienstleistungen auf andere Weise zu beeinflussen, etwa weil die Regierung ein bestimmtes Gut für schädlich hält. Das Modell von Angebot und Nachfrage ist ein nützliches Instrument zur Analyse der Auswirkungen der Besteuerung.

Steuern zur Einnahmeerhöhung

Die Beschaffung von Einnahmen durch Steuern hat eine lange Geschichte (siehe Einheit 22). Ein Beispiel dafür ist die Besteuerung von Salz. Für lange Perioden in der Geschichte wurde Salz überall auf der Welt als Konservierungsmittel verwendet, das die Lagerung, den Transport und den Handel von Lebensmitteln ermöglichte. Im China der frühen Dynastien (2200 bis 296 v. Chr.) wurde Salz besteuert, da die Menschen es brauchten, egal wie hoch der Preis war. Salzsteuern waren ein wirksames, aber oft verpöntes Mittel der herrschenden Eliten im alten Indien und der mittelalterlichen Königreiche. Der Unmut über hohe Salzsteuern spielte eine wichtige Rolle in der Französischen Revolution, und Gandhi führte Proteste gegen die von den Briten in Indien erhobene Salzsteuer an.

Abbildung 8.14 veranschaulicht, wie eine Salzsteuer funktionieren könnte. Zu Beginn befindet sich der Markt in Punkt A im Gleichgewicht: Der Preis ist P* und die gehandelte Salzmenge ist Q*. Angenommen, auf den Salzpreis wird eine Verkaufssteuer von 30 % erhoben, die von den Verkaufenden an die Regierung zu zahlen ist. Wenn diese eine Steuer von 30 % zahlen müssen, steigen ihre Grenzkosten für die Lieferung jeder Einheit Salz um 30 %. Die Angebotskurve verschiebt sich also: Der Preis ist bei jeder Menge um 30 a% höher.

Die Auswirkungen einer Salzsteuer von 30 %.
: Die Auswirkungen einer Salzsteuer von 30 %.
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Die Auswirkungen einer Salzsteuer von 30 %.

Abbildung 8.14 Die Auswirkung einer Salzsteuer von 30 %.

Das anfängliche Gleichgewicht
: Das anfängliche Gleichgewicht auf dem Markt befindet sich im Punkt A. Der Preis ist P* und die verkaufte Salzmenge ist Q*.
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Das anfängliche Gleichgewicht

Das anfängliche Gleichgewicht auf dem Markt befindet sich im Punkt A. Der Preis ist P* und die verkaufte Salzmenge ist Q*.

Eine Steuer von 30 %
: Den Verkaufenden wird eine Steuer von 30 % auferlegt. Ihre Grenzkosten sind bei jeder Menge effektiv 30 % höher. Die Angebotskurve verschiebt sich.
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Eine Steuer von 30 %

Den Verkaufenden wird eine Steuer von 30 % auferlegt. Ihre Grenzkosten sind bei jeder Menge effektiv 30 % höher. Die Angebotskurve verschiebt sich.

Das neue Gleichgewicht
: Das neue Gleichgewicht liegt bei B. Der von den Verbrauchenden gezahlte Preis ist auf P1 gestiegen und die Menge ist auf Q1 gesunken.
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Das neue Gleichgewicht

Das neue Gleichgewicht liegt bei B. Der von den Verbrauchenden gezahlte Preis ist auf P1 gestiegen und die Menge ist auf Q1 gesunken.

Die an die Regierung gezahlte Steuer
: Der Preis, den die Verkaufenden erhalten (nachdem sie die Steuer bezahlt haben), ist P0. Der Doppelpfeil zeigt die Steuer, die für jede verkaufte Einheit Salz an die Regierung gezahlt wird.
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Die an die Regierung gezahlte Steuer

Der Preis, den die Verkaufenden erhalten (nachdem sie die Steuer bezahlt haben), ist P0. Der Doppelpfeil zeigt die Steuer, die für jede verkaufte Einheit Salz an die Regierung gezahlt wird.

Steuerinzidenz
Die Auswirkung einer Steuer auf den Wohlstand von Käufer:innen, Verkäufer:innen oder beiden.

Das neue Gleichgewicht liegt bei Punkt B, wo eine geringere Menge Salz gehandelt wird. Obwohl der Preis für die Kaufenden gestiegen ist, ist er nicht 30 % höher als zuvor. Der von den Kaufenden gezahlte Preis, P1, ist 30 % höher als der von den Verkaufenden erhaltene Preis (abzüglich der Steuer), der P0 beträgt. Die Verkaufenden erhalten einen niedrigeren Preis als zuvor, sie produzieren weniger, und ihre Gewinne werden geringer sein. Dies veranschaulicht ein wichtiges Merkmal von Steuern: Die Person, die die Steuern zahlt ist nicht unbedingt diejenige, welche die Hauptauswirkungen zu spüren bekommt. In diesem Fall zahlen zwar die Verkaufenden die Steuer, aber die Steuerinzidenz trifft teilweise die Verkaufenden und teilweise die Kaufenden.

Abbildung 8.15 zeigt die Auswirkungen der Steuer auf die Konsumentenrente und die Produzentenrente:

  • Die Konsumentenrente sinkt: Die Kaufenden zahlen einen höheren Preis und kaufen weniger Salz.
  • Die Produzentenrente sinkt: Die Verkaufenden produzieren weniger und erhalten einen niedrigeren Nettopreis.
  • Gesamte Wohlfahrt ist niedriger: Selbst wenn man die Steuereinnahmen der Regierung berücksichtigt, verursacht die Steuer einen Wohlfahrtsverlust.
Besteuerung und Wohlfahrtsverlust.
: Besteuerung und Wohlfahrtsverlust.
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Besteuerung und Wohlfahrtsverlust.

Abbildung 8.15 Besteuerung und Wohlfahrtsverlust.

Maximierte Wohlfahrt aus dem Handel
: Vor der Einführung der Steuer maximiert die Gleichgewichtsallokation bei A die Wohlfahrt. Im oberen Feld ist das rote Dreieck die Konsumentenrente und das blaue Dreieck die Produzentenrente.
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Maximierte Wohlfahrt aus dem Handel

Vor der Einführung der Steuer maximiert die Gleichgewichtsallokation bei A die Wohlfahrt. Im oberen Feld ist das rote Dreieck die Konsumentenrente und das blaue Dreieck die Produzentenrente.

Eine Steuer verringert die Konsumentenrente
: Die Steuer reduziert die gehandelte Menge auf Q1 und erhöht den Preis für die Kaufenden von P* auf P1. Die Konsumentenrente sinkt.
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Eine Steuer verringert die Konsumentenrente

Die Steuer reduziert die gehandelte Menge auf Q1 und erhöht den Preis für die Kaufenden von P* auf P1. Die Konsumentenrente sinkt.

Eine Steuer verringert die Produzentenrente
: Die Verkaufenden verkaufen eine geringere Menge, und der Preis, den sie erhalten, fällt von P* auf P0. Die Produzentenrente sinkt.
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Eine Steuer verringert die Produzentenrente

Die Verkaufenden verkaufen eine geringere Menge, und der Preis, den sie erhalten, fällt von P* auf P0. Die Produzentenrente sinkt.

Das Steueraufkommen und der Wohlfahrtsverlust
: Eine Steuer in Höhe von (P1 – P0) wird auf jede der verkauften Q1 Einheiten Salz gezahlt. Die grüne rechteckige Fläche ist das gesamte Steueraufkommen. Es gibt einen Wohlfahrtsverlust, der der Fläche des weißen Dreiecks entspricht.
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Das Steueraufkommen und der Wohlfahrtsverlust

Eine Steuer in Höhe von (P1P0) wird auf jede der verkauften Q1 Einheiten Salz gezahlt. Die grüne rechteckige Fläche ist das gesamte Steueraufkommen. Es gibt einen Wohlfahrtsverlust, der der Fläche des weißen Dreiecks entspricht.

Wenn die Salzsteuer erhoben wird, ist die gesamte Wohlfahrt aus dem Handel auf dem Salzmarkt gegeben durch:

Da die gehandelte Salzmenge nicht mehr auf dem Niveau liegt, das die Wohlfahrt maximiert, hat die Steuer zu einem Wohlfahrtsverlust geführt.

Im Allgemeinen verändern Steuern die Preise, und die Preise verändern die Entscheidungen der Kaufenden und Verkaufenden, was zu Wohlfahrtsverlusten führen kann. Um möglichst hohe Einnahmen zu erzielen, würde die Regierung lieber ein Gut besteuern, bei dem die Nachfrage nicht sehr stark auf den Preis reagiert, sodass der Rückgang der gehandelten Menge recht gering ist—das heißt, lieber ein Gut mit einer geringen Nachfrageelastizität besteuern. Aus diesem Grund wurde in China in den frühen Dynastien das Besteuern von Salz empfohlen.

Man kann sich die gesamte Wohlfahrt als Maß für die Wohlfahrt der gesamten Gesellschaft vorstellen (vorausgesetzt, die Steuereinnahmen werden zum Nutzen der Gesellschaft verwendet). Es gibt also noch einen zweiten Grund, warum eine Regierung, der die Wohlfahrt am Herzen liegt, die Besteuerung von Gütern mit geringer Nachfrageelastizität vorzieht—der Verlust an Wohlfahrt wird geringer sein. Die Gesamtwirkung der Steuer hängt davon ab, was die Regierung mit den eingenommenen Einnahmen macht:

  • Die Regierung gibt die Einnahmen für Güter und Dienstleistungen aus, die das Wohlergehen der Bevölkerung verbessern: In diesem Fall können die Steuer und die daraus resultierenden Ausgaben das öffentliche Wohlergehen erhöhen—auch wenn sie die Wohlfahrt auf dem besteuerten Markt verringern.
  • Die Regierung gibt die Einnahmen für eine Aktivität aus, die nicht zum Wohlbefinden der Gesellschaft beiträgt: Dann ist die entgangene Konsumen­tenrente lediglich eine Verringerung des Lebensstandards der Bevölkerung.

Steuern können also den allgemeinen Wohlstand verbessern oder verringern. Wir können sagen, dass die Besteuerung eines Gutes, dessen Nachfrage unelastisch ist, ein effizienter Weg ist, um die Wohlfahrt von den Verbrauchenden auf die Regierung zu übertragen.

Die Macht der Regierung, Steuern zu erheben, ist vergleichbar mit der Preisgestaltungsmacht eines Unternehmens, das ein differenziertes Gut verkauft. Sie nutzt ihre Macht, um den Preis zu erhöhen und Einnahmen zu erzielen, während dies gleichzeitig die verkaufte Menge reduziert. Die Fähigkeit, Steuern zu erheben, hängt von den Institutionen ab, die es zur Durchsetzung und Erhebung der Steuern nutzen kann.

Ein Grund für die Verwendung von Salzsteuern in früheren Zeiten war, dass es für mächtige Herrschende relativ einfach war, die vollständige Kontrolle über die Salzproduktion zu übernehmen, in einigen Fällen als Monopol. Im berüchtigten Fall der französischen Salzsteuer kontrollierte die Monarchie nicht nur die gesamte Salzproduktion, sondern zwang die Bevölkerung auch zum Kauf von bis zu 7 kg Salz pro Jahr.

Im März und April 1930 löste der künstlich hoch gehaltene Salzpreis im britischen Kolonialland Indien einen der entscheidenden Momente der indischen Unabhängigkeitsbewegung aus: Mahatma Gandhis Salzmarsch, um Salz aus dem Indischen Ozean zu gewinnen. In ähnlicher Weise kippten amerikanische Kolonisten, die sich gegen die britische Kolonialsteuer auf Tee wehrten, 1773 bei der sogenannten Boston Tea Party eine Ladung Tee in den Bostoner Hafen.

Der Widerstand gegen Steuern auf unelastische Güter entsteht genau aus dem Grund, aus dem sie erhoben werden: Sie sind schwer zu umgehen!

In vielen modernen Volkswirtschaften sind die Institutionen für die Steuererhebung fest etabliert, in der Regel mit demokratischer Zustimmung. Solange die Bevölkerung glaubt, dass die Steuern fair erhoben werden, wird ihre Verwendung zur Einnahmeerhöhung als notwendiger Bestandteil der Sozial- und Wirtschaftspolitik akzeptiert. Im Folgenden werden wir uns mit einem weiteren Grund befassen, warum sich Regierungen für die Erhebung von Steuern entscheiden können.

Steuern zur Verhaltensänderung einsetzen

Politische Entscheidungsträger:innen in vielen Ländern sind an der Möglichkeit interessiert, den Konsum von ungesunden Lebensmitteln durch Steuern einzudämmen, um die öffentliche Gesundheit zu verbessern und dadurch Adipositas in der Bevölkerung zu bekämpfen. In Einheit 7 haben wir uns einige Daten und Schätzungen der Nachfrageelastizitäten für Lebensmittel in den USA angeschaut, mit deren Hilfe sich vorhersagen lässt, wie sich höhere Preise auf die Ernährung der Menschen dort auswirken könnten. Einige Länder haben bereits Steuern auf Lebensmittel eingeführt. Mehrere Länder, darunter Frankreich, Norwegen, Mexiko, Samoa und die Fidschi-Inseln, besteuern gesüßte Getränke. Die ungarische „Chips-Steuer“ zielt auf Produkte ab, die nachweislich gesundheitsschädlich sind, insbesondere solche mit hohem Zucker- oder Salzgehalt. Im Jahr 2011 führte die dänische Regierung eine Steuer auf Produkte mit hohem Gehalt an gesättigten Fettsäuren ein.7

Die Höhe der dänischen Steuer betrug 16 Dänische Kronen (DKK) pro Kilogramm gesättigtes Fett, was 10,4 DKK pro kg Butter entspricht. Man beachte, dass es sich um eine spezifische Steuer handelte, die als fester Betrag pro Einheit Butter erhoben wurde. Eine Steuer, wie die für Salz, die als Prozentsatz des Preises erhoben wird, wird als Ad-Valorem-Steuer bezeichnet. Einer Studie über die dänische Fettsteuer zufolge, entsprach sie etwa 22 % des durchschnittlichen Butterpreises im Jahr vor der Einführung der Steuer. Die Studie ergab, dass der Konsum von Butter und verwandten Produkten (Buttermischungen, Margarine und Öl) um 15 bis 20 % zurückging. Wir können die Auswirkungen auf die gleiche Weise veranschaulichen, wie wir es bei der Salzsteuer getan haben, indem wir das Modell von Angebot und Nachfrage verwenden (wir gehen hier davon aus, dass die Butterhändler:innen preisnehmend sind).

Abbildung 8.16 zeigt eine Nachfragekurve für Butter, gemessen in Kilogramm pro Person und Jahr. Die Zahlen entsprechen in etwa den Erfahrungen, die in Dänemark gemacht wurden. Wir haben die Angebotskurve für Butter als nahezu flach eingezeichnet, da wir davon ausgehen, dass sich die Grenzkosten für den Einzelhandel bei schwankenden Mengen nicht sehr stark verändern. Das anfängliche Gleichgewicht liegt im Punkt A, wo der Butterpreis 45 DKK pro kg beträgt und jede verbrauchende Person 2 kg Butter pro Jahr konsumiert.

Die Auswirkung einer Fettsteuer auf den Einzelhandelsmarkt für Butter.
: Die Auswirkung einer Fettsteuer auf den Einzelhandelsmarkt für Butter.
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Die Auswirkung einer Fettsteuer auf den Einzelhandelsmarkt für Butter.

Abbildung 8.16 Die Auswirkungen einer Fettsteuer auf den Einzelhandelsmarkt für Butter.

Gleichgewicht auf dem Markt für Butter
: Zu Beginn befindet sich der Markt für Butter im Gleichgewicht in Punkt A. Der Preis für Butter beträgt 45 DKK pro kg, und der Konsum von Butter in Dänemark liegt bei 2 kg pro Person und Jahr.
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Gleichgewicht auf dem Markt für Butter

Zu Beginn befindet sich der Markt für Butter im Gleichgewicht in Punkt A. Der Preis für Butter beträgt 45 DKK pro kg, und der Konsum von Butter in Dänemark liegt bei 2 kg pro Person und Jahr.

Die Wirkung einer Steuer
: Eine von den Butterhändler:innen erhobene Steuer von 10 DKK pro kg erhöht deren Grenzkosten bei jeder Menge um 10 DKK. Die Angebotskurve verschiebt sich um 10 DKK nach oben.
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Die Wirkung einer Steuer

Eine von den Butterhändler:innen erhobene Steuer von 10 DKK pro kg erhöht deren Grenzkosten bei jeder Menge um 10 DKK. Die Angebotskurve verschiebt sich um 10 DKK nach oben.

Ein neues Gleichgewicht
: Das neue Gleichgewicht liegt bei Punkt B. Der Preis ist auf 54 DKK gestiegen. Der jährliche Konsum jeder Person an Butter ist auf 1,6 kg gesunken.
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Ein neues Gleichgewicht

Das neue Gleichgewicht befindet sich im Punkt B. Der Preis ist auf 54 DKK gestiegen. Der jährliche Konsum jeder Person an Butter ist auf 1,6 kg gesunken.

Eine Steuer von 10 DKK pro kg verschiebt die Angebotskurve nach oben und führt zu einem Preisanstieg auf 54 DKK und zu einem Rückgang des Konsums auf 1,6 kg. Der Preis für eine verbrauchende Person steigt um 9 DKK—fast der volle Betrag der Steuer—und der Nettoerlös der Butterhändler:innen pro kg Butter sinkt auf 44 DKK. In diesem Fall zahlen zwar die Butterhändler:innen die Steuer, die Steuerinzidenz wird jedoch hauptsächlich von den Verbrauchenden getragen. Von den 10 DKK Steuer pro kg zahlt die verbrauchende Person effektiv 9 DKK, während die Butterhändler:innen oder produzierenden Unternehmen 1 DKK zahlen. Der Preis, den die Einzelhändler:innen erhalten, ist also nach Abzug der Steuer nur um 1 DKK niedriger.

Abbildung 8.17 zeigt, wie sich die Fettsteuer auf die Konsumentenrente und die Produzentenrente auswirkt.

Die Auswirkung einer Fettsteuer auf die Konsumentenrente und die Produzentenrente für Butter.
: Die Auswirkung einer Fettsteuer auf die Konsumenten- und Produzentenrente für Butter.
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Die Auswirkung einer Fettsteuer auf die Konsumentenrente und die Produzentenrente für Butter.

Abbildung 8.17 Die Auswirkung einer Fettsteuer auf die Konsumentenrente und die Produzentenrente für Butter.

Auch hier sinken sowohl die Wohlfahrt der Verbrauchenden als auch die der Produzierenden. Die Fläche des grünen Rechtecks stellt das Steueraufkommen dar: Bei einer Steuer von 10 DKK pro kg und einem Gleichgewicht des Absatzes von 1,6 kg pro Person beträgt das Steueraufkommen 10 × 1,6 = 16 DKK pro Person und Jahr.

Wie wirksam war die Fettsteuerpolitik? Für eine umfassende Bewertung der Auswirkungen auf die Gesundheit sollten wir alle besteuerten Lebensmittel betrachten und die Kreuzpreiseffekte, das heißt die durch die Steuer verursachten Veränderungen im Konsum anderer Lebensmittel, berücksichtigen. Bei der Untersuchung der dänischen Steuer wurde auch die Möglichkeit in Betracht gezogen, dass einige der Einzelhandelsunternehmen nicht preisnehmend sind. Dennoch veranschaulichen die Abbildungen 8.16 und 8.17 einige wichtige Auswirkungen der Steuer:

  • Der Konsum von Butterprodukten ging zurück: In diesem Fall um 20 %. Dies ist in Abbildung 8.16 zu sehen. In dieser Hinsicht war die Politik erfolgreich.
  • Es gab einen starken Rückgang der Wohlfahrt, insbesondere der Konsumentenrente: Dies ist in Abbildung 8.17 zu sehen. Es sei jedoch daran erinnert, dass das Ziel der Regierung bei der Einführung der Fettsteuer nicht darin bestand, die Einnahmen zu erhöhen, sondern die Menge zu verringern. Der Rückgang der Konsumentenrente war also unvermeidlich. Der durch eine Steuer verursachte Wohlfahrtsverlust klingt zwar negativ, aber in diesem Fall könnten die politischen Entscheidungsträger:innen dies als Gewinn betrachten, wenn das „Gut“ Butter als „schlecht“ für die Verbrauchenden angesehen wird.

Ein Aspekt der Besteuerung, der in unserer Analyse von Angebot und Nachfrage nicht berücksichtigt wurde, sind die Kosten für die Erhebung der Steuer. Obwohl die dänische Fettsteuer den Konsum von Fett erfolgreich reduzierte, schaffte die Regierung sie nach nur 15 Monaten wieder ab, weil sie den Unternehmen zu viel Verwaltungsaufwand verursachte. Jedes Steuersystem erfordert wirksame Mechanismen für die Steuererhebung, und die Gestaltung von Steuern, die einfach zu verwalten (und schwer zu umgehen) sind, ist ein wichtiges Ziel der Steuerpolitik. Politische Entscheidungsträger:innen, die Lebensmittelsteuern einführen wollen, müssen Wege finden, um die Verwaltungskosten zu minimieren. Da die Kosten jedoch nicht eliminiert werden können, müssen sie auch abwägen, ob der Gesundheitsgewinn (und die Verringerung der Kosten für schlechte Gesundheit) ausreicht, um diese Kosten auszugleichen.

Übung 8.7 Der Wohlfahrtsverlust der Buttersteuer

Lebensmittelsteuern, wie sie hier und in Einheit 7 diskutiert werden, sollen häufig den Konsum in Richtung einer gesünderen Ernährung lenken, führen aber zu Wohlfahrtsverlusten.

Warum, glauben Sie, könnten politische Entscheidungsträger:innen und Verbrauchende diesen Wohlfahrtsverlust unterschiedlich interpretieren?

Frage 8.9 Wählen Sie die richtige(n) Antwort(en)

Abbildung 8.14 zeigt die Nachfrage- und die Angebotskurve für Salz sowie die Verschiebung der Angebotskurve aufgrund der Einführung einer 30-%igen Steuer auf den Salzpreis. Welche der folgenden Aussagen sind richtig?

  • Im Gleichgewicht nach Einführung der Steuer zahlen die Verbrauchenden P₁ und die Produzierenden erhalten P*.
  • Die Steuereinnahmen der Regierung sind gegeben durch (P* – P0)Q1.
  • Der Wohlfahrtsverlust ist gegeben durch (1/2)(P1P0)(Q* – Q1).
  • Durch die Steuer wird die Konsumentenrente um (1/2)(Q1 + Q*)(P1P*) reduziert.
  • Im Gleichgewicht nach Einführung der Steuer zahlen die Verbrauchenden P₁ und die Produzierenden erhalten P0.
  • Die Steuereinnahmen der Regierung sind (P1P0) × Q1.
  • Dies ist die Fläche des Dreiecks zwischen Angebots- und Nachfragekurve unter AB.
  • Dies ist die Fläche des Trapezes zwischen den horizontalen gestrichelten Linien durch A und B.

Frage 8.10 Wählen Sie die richtige(n) Antwort(en)

Abbildung 8.17 zeigt die Auswirkungen einer Steuer, die den Konsum von Butter verringern soll. Das Gleichgewicht vor der Steuer liegt bei A = (2 kg, DKK 45) und das Gleichgewicht nach der Steuer liegt bei B = (1,6 kg, DKK 54). Die auferlegte Steuer beträgt 10 DKK pro kg Butter. Welche der folgenden Aussagen ist richtig?

  • Die Produzierenden erhalten 45 DKK pro kg Butter.
  • Die Steuerpolitik wäre wirksamer, wenn die Angebotskurve weniger elastisch wäre.
  • Die sehr elastische Angebotskurve impliziert, dass die Steuer hauptsächlich die Verbrauchenden belastet.
  • Der Verlust an Konsumentenrente durch die Steuer beträgt (1/2) × 10 × (2,0 – 1,6) = 2,0.
  • Die Produzenten erhalten den Preis 54 – 10 = DKK 44 pro kg.
  • Wäre die Angebotskurve weniger elastisch, wäre die Politik weniger wirksam—der Konsum von Butter würde nicht so stark zurückgehen.
  • Die elastische Angebotskurve bedeutet, dass sich der von den Verbrauchenden gezahlte Preis viel stärker ändert als der von den Produzierenden erhaltene Preis.
  • Die Berechnung ergibt den Wohlfahrtsverlust, nicht den Verlust an Konsumentenrente.

8.8 Das Modell des vollkommenen Wettbewerbs

Perfekter Wettbewerb

Ein hypothetischer Markt, in dem:

  • Das getauschte Gut oder die getauschte Dienstleistung homogen ist. Das heißt, es/sie unterscheidet sich nicht von einem verkaufenden Unternehmen zum anderen.
  • Es eine große Anzahl potenziell kaufender und verkaufender Unternehmen oder Personen gibt, die das Gut unabhängig voneinander handeln.
  • Die kaufenden und die verkaufenden Personen oder Unternehmen können sich leicht über die Preise informieren, zu denen andere Verkaufende und Kaufende die Ware handeln.

Bei der Anwendung des Modells von Angebot und Nachfrage wird in dieser Einheit davon ausgegangen, dass die Kaufenden und Verkaufenden preisnehmend sind. Auf welchen Märkten würden wir erwarten, dass beide Seiten den Preis als gegeben annehmen? Um dem intensivst möglichen Wettbewerb zwischen den Verkaufenden zu erzeugen und sie zu zwingen, preisnehmend zu agieren, brauchen wir:

  • Viele undifferenzierte verkaufende Unternehmen oder Personen: Wie Marshall erörterte, muss es viele verkaufende Unternehmen oder Personen geben, die alle identische Waren verkaufen. Wären ihre Waren differenziert, dann hätte jeder von ihnen eine gewisse Marktmacht.
  • Die verkaufenden Unternehmen oder Personen müssen unabhängig voneinander handeln: Wenn sie zum Beispiel als Kartell agieren, sind sie nicht preisnehmend—sie können den Preis gemeinsam festlegen.
  • Viele kaufende Personen oder Unternehmen, die alle das Gut kaufen wollen: Jede Person oder jedes Unternehmen von ihnen wird sich für diejenige verkaufenden Person oder das Unternehmen entscheiden, die oder das den niedrigsten Preis anbietet.
  • Kaufende Personen oder Unternehmen kennen die Preise der verkaufenden Unternehmen oder Personen: Wenn sie diese nicht kennen, können sie nicht den niedrigsten Preis wählen beziehungsweise finden.

Ebenso müssen sich die kaufenden Personen oder Unternehmen gegenseitig dazu zwingen, preisnehmend zu handeln:

  • Es muss viele kaufende Personen oder Unternehmen geben, die miteinander konkurrieren: Dann haben die verkaufenden Unternehmen oder Personen keinen Grund, an eine Person oder ein Unternehmen zu verkaufen, die oder das weniger zahlt als die anderen.
perfektes Wettbewerbsgleichgewicht
Ein solches Gleichgewicht tritt in einem Modell auf, in dem alle Käufer:innen und Verkäufer:innen preisnehmend sind. In diesem Gleichgewicht werden alle Transaktionen zu einem einzigen Preis abgewickelt. Dies wird als Gesetz des einheitlichen Preises bezeichnet. Bei diesem Preis entspricht die angebotene Menge der nachgefragten Menge: Der Markt räumt. Keiner kann durch eine Änderung des eigenen Preises einen Vorteil erzielen. Alle sind preisnehmend. Aller potenzielle Nutzen aus dem Handel wird realisiert. Siehe auch: Gesetz des einheitlichen Preises.
Gesetz des einheitlichen Preises
Trifft zu, wenn ein Gut bei allen Transaktionen zum gleichen Preis gehandelt wird. Würde ein Gut an verschiedenen Orten zu unterschiedlichen Preisen verkauft, könnten Unternehmen oder Personen es an einem Ort billig einkaufen und an einem anderen zu einem höheren Preis verkaufen. Siehe auch: Arbitrage.
Nutzen aus Handel
Der Nutzen, den eine Partei aus einer Transaktion zieht, verglichen damit, wie es ihr ohne den Austausch ergangen wäre. Auch bekannt als: Wohlfahrtsgewinne aus Handel. Siehe auch: ökonomische Rente.

Ein Markt, der alle diese Eigenschaften aufweist, wird als perfekter Wettbewerbsmarkt bezeichnet. Wir können vorhersagen, dass das Gleichgewicht in einem solchen Markt ein wettbewerbliches Marktgleichgewicht sein wird—er wird also die folgenden Merkmale aufweisen:

  • Alle Transaktionen finden zu einem einzigen Preis statt: Dies wird als das Gesetz des einheitlichen Preises bezeichnet.
  • Bei diesem Preis entspricht die angebotene Menge der nachgefragten Menge: Der Markt räumt.
  • Keine Partei kann durch eine Änderung des geforderten oder angebotenen Preises einen Vorteil erlangen. Alle sind preisnehmend.
  • Der gesamte potenzielle Nutzen aus dem Handel wird realisiert. Das Marktgleichgewicht ist effizient.

Léon Walras, ein französischer Ökonom aus dem 19. Jahrhundert, entwickelte ein mathematisches Modell einer Wirtschaft, in der alle Kaufenden und Verkaufenden preisnehmend sind, das viele Ökonominnen und Ökonomen in ihrem Denken über Märkte beeinflusst hat.

Große Ökonominnen und Ökonomen Léon Walras

Léon Walras Léon Walras (1834–1910) war einer der Begründer der neoklassischen Schule der Volkswirtschaftslehre. Er war ein nicht besonders eifriger Student und scheiterte zweimal an der Aufnahmeprüfung der École Polytechnique in Paris, einer der renommiertesten Universitäten in seinem Heimatland Frankreich. Stattdessen studierte er Ingenieurswesen an der School of Mines. Schließlich überzeugte ihn sein Vater, ein Wirtschaftswissenschaftler, sich der Herausforderung zu stellen, die Volkswirtschaftslehre zu einer Wissenschaft zu machen.

Die reine Volkswirtschaftslehre, die er anstrebte, war die Lehre von den Beziehungen zwischen den Dingen, nicht den Menschen. Er hatte bemerkenswerten Erfolg, indem er die menschlichen Beziehungen aus seiner Modellierung ausschloss. Die „reine Theorie der Ökonomie“, so schrieb er, „ähnelt in jeder Hinsicht den physikalisch-mathematischen Wissenschaften“.

Um die Volkswirtschaftslehre so zu vereinfachen, dass sie mathematisch ausgedrückt werden konnte, stellte er die Interaktionen zwischen den Agierenden in der Wirtschaft so dar, als handle es sich um Beziehungen zwischen Inputs und Outputs, und konzentrierte sich ganz auf die Wirtschaft im Gleichgewicht. Dabei verschwanden Gründer:innen, die seit der Industriellen Revolution bis heute eine Schlüsselrolle bei der Schaffung von Vermögen spielen, einfach aus der walrasianischen Ökonomie:

Unter der Annahme des Gleichgewichts können wir sogar so weit gehen, von den Gründern zu abstrahieren und die produktiven Leistungen einfach als in gewissem Sinne direkt gegeneinander ausgetauscht zu betrachten … (Elements of Theoretical Economics, 1874)8

Walras stellte die grundlegenden wirtschaftlichen Zusammenhänge in Form von Gleichungen dar, mit deren Hilfe er die Funktionsweise einer ganzen Wirtschaft untersuchte, die aus vielen miteinander verknüpften Märkten besteht. Vor Walras hatten die meisten Ökonomen diese Märkte isoliert betrachtet: Sie untersuchten zum Beispiel, wie der Preis von Textilien auf dem Tuchmarkt oder die Bodenrenten auf dem Bodenmarkt bestimmt werden.

Ein Jahrhundert vor Walras hatte eine Gruppe französischer Ökonomen, die sogenannten Physiokraten, die Warenzirkulation in der gesamten Wirtschaft untersucht, indem sie den ob der Strom der Waren von einem Sektor zum anderen in der Wirtschaft mit dem Blutkreislauf im menschlichen Körper verglichen (einer der führenden Physiokraten war Arzt). Das Modell der Physiokraten war jedoch kaum mehr als eine Metapher, die auf die Verflechtung der Märkte hinwies.

Walras benutzte die Mathematik anstelle von medizinischen Analogien, um das zu schaffen, was heute als allgemeine Gleichgewichtstheorie bezeichnet wird: ein mathematisches Modell einer gesamten Wirtschaft, in der alle Kaufenden preisnehmend agieren und das Angebot auf allen Märkten gleich der Nachfrage ist. Walras Arbeit war die Grundlage für den viel später erfolgten Beweis des Satzes der unsichtbaren Hand, das die Bedingungen angibt, unter denen ein allgemeines Gleichgewicht Pareto-effizient ist. Das Spiel der unsichtbaren Hand in Einheit 4 ist ein Beispiel für die Bedingungen, unter denen das Streben nach Eigennutz allen zugute kommen kann.

Walras verteidigte das Recht auf Privateigentum, aber um dem armen Teil der Bevölkerung zu helfen, setzte er sich auch für die Verstaatlichung von Grund und Boden und die Abschaffung der Lohnsteuer ein.

Sieben Jahre nach seinem Tod sollte das Modell des allgemeinen Gleichgewichts eine wichtige Rolle in der Debatte über die Machbarkeit und Wünschbarkeit einer zentralisierten Wirtschaftsplanung im Vergleich zu einer Marktwirtschaft spielen. 1917 setzte die bolschewistische Revolution in Russland die Ökonomie des Sozialismus und der zentralen Planung auf die Tagesordnung vieler Ökonominnen und Ökonomen. Doch überraschenderweise waren es in dieser Dabatte diejenigen, die die zentrale Planung verteidigten und nicht diejenigen, die den Markt befürworteten, die Walras Erkenntnisse für ihre Argumente nutzten.

Friedrich Hayek und andere die den Kapitalismus verteidigten, kritisierten das Walrassche Modell des allgemeinen Gleichgewichts. Ihr Argument: Indem Walras bewusst die Tatsache ignorierte, dass sich eine kapitalistische Wirtschaft ständig verändert, und daher den Beitrag von Unternehmertum und Kreativität im Marktwettbewerb nicht berücksichtigte, hatte er die wahren Tugenden des Marktes verfehlt.

Das Modell des vollkommenen Wettbewerbs beschreibt eine idealisierte Marktstruktur, bei der wir sicher sein können, dass die Annahme der Preisbildung, die unserem Modell von Angebot und Nachfrage zugrunde liegt, zutrifft. Reale Märkte für landwirtschaftliche Erzeugnisse wie Weizen, Reis, Kaffee oder Tomaten sehen in etwa so aus, obwohl die Waren nicht wirklich identisch sind und es unwahrscheinlich ist, dass alle Marktteilnehmenden alle Preise kennen, zu denen Handel stattfindet. Aber es ist dennoch klar, dass sie, wenn überhaupt, nur sehr wenig Macht haben, den Preis, zu dem sie handeln, zu beeinflussen.

In anderen Fällen—zum Beispiel auf Märkten, auf denen es gewisse Qualitätsunterschiede zwischen den Waren gibt—kann immer noch genügend Wettbewerb herrschen, sodass wir von preisnehmenden Marktteilnehmenden ausgehen können, um ein einfaches Modell für das Arbeiten des Marktes zu erhalten. Ein vereinfachtes Modell kann nützliche Vorhersagen liefern, auch wenn die ihm zugrunde liegenden Annahmen nur annähernd zutreffen. Eine wichtige Fähigkeit der Volkswirtschaftslehre ist es, zu beurteilen, ob es angemessen ist, aus einem vereinfachten Modell Schlussfolgerungen über die reale Welt zu ziehen oder nicht.

Wir wissen zum Beispiel, dass Märkte nicht vollkommen wettbewerbsfähig sind, wenn die Produkte differenziert sind. Die Präferenzen der Verbrauchenden sind unterschiedlich, und wir haben in Einheit 7 gesehen, dass Unternehmen einen Anreiz haben, ihr Produkt zu differenzieren (wenn das können), anstatt ein ähnliches oder identisches Produkt wie andere anzubieten. Dennoch kann das Modell von Angebot und Nachfrage eine nützliche Annäherung sein, um zu verstehen, wie sich einige Märkte für nicht-identische Produkte verhalten.

Abbildung 8.18 zeigt den Markt für einen imaginären Schokoriegel namens Choccos, für das es enge Substitute gibt. Dass es nahe Substitute gibt, folgt da viele ähnliche Produkte auf dem weiten Markt für Schokoriegel miteinander konkurrieren. Aufgrund der Konkurrenz durch andere Schokoriegel ist die Nachfragekurve nahezu flach. Das Unternehmen wählt einen Preis und eine Menge, bei denen die Grenzkosten in der Nähe des Preises liegen. Dieses Unternehmen befindet sich also in einer ähnlichen Situation wie ein Unternehmen auf einem Markt mit vollkommenem Wettbewerb. Der Gleichgewichtspreis auf dem breiteren Markt für Schokoriegel bestimmt die realisierbaren Preise für Choccos—sie müssen zu einem ähnlichen Preis wie andere Schokoriegel verkauft werden.

Der Markt für Choccos und Schokoriegel.
: Der Markt für Choccos und Schokoriegel.
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Der Markt für Choccos und Schokoriegel.

Abbildung 8.18 Der Markt für Choccos und Schokoriegel.

Der Markt für Choccos
: Das linke Feld zeigt den Markt für Choccos, die von einem einzigen Unternehmen produziert werden. Auf dem weiten Markt für Schokoriegel gibt es viele enge Substitute.
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Der Markt für Choccos

Das linke Feld zeigt den Markt für Choccos, die von einem einzigen Unternehmen produziert werden. Auf dem weiten Markt für Schokoriegel gibt es viele enge Substitute.

Die Nachfragekurve für Choccos
: Aufgrund des Wettbewerbs durch ähnliche Schokoriegel ist die Nachfragekurve für Choccos fast flach. Die Spanne der realisierbaren Preise ist eng.
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Die Nachfragekurve für Choccos

Aufgrund des Wettbewerbs durch ähnliche Schokoriegel ist die Nachfrage­kurve für Choccos fast flach. Die Spanne der realisierbaren Preise ist eng.

Der Preis von Choccos
: Das Unternehmen wählt einen Preis P* ähnlich dem Preis der Konkurrenz, und eine Menge, bei der die GK nahe bei P* liegen. Unabhängig vom Preis der Konkurrenz wird es in der Nähe der Grenzkostenkurve produzieren. Die GK-Kurve des Unternehmens ist also ungefähr dessen Angebotskurve.
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Der Preis von Choccos

Das Unternehmen wählt einen Preis P* ähnlich dem Preis der Konkurrenz, und eine Menge, bei der die GK nahe bei P* liegen. Unabhängig vom Preis der Konkurrenz wird es in der Nähe der Grenzkostenkurve produzieren. Die GK-Kurve des Unternehmens ist also ungefähr dessen Angebotskurve.

Die Angebotskurve des Marktes für Schokoriegel
: Wir können die Angebotskurve des Marktes für Schokoriegel im rechten Feld konstruieren, indem wir die Mengen aus den Grenzkostenkurven aller produzierenden Unternehmen addieren.
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Die Angebotskurve des Marktes für Schokoriegel

Wir können die Angebotskurve des Marktes für Schokoriegel im rechten Feld konstruieren, indem wir die Mengen aus den Grenzkostenkurven aller produzierenden Unternehmen addieren.

Die Nachfragekurve auf dem Markt für Schokoriegel
: Wenn die meisten Verbrauchenden keine starken Präferenzen für das Produkt eines Unternehmens haben, können wir eine Nachfragekurve für Schokoriegel auf dem Markt zeichnen.
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Die Nachfragekurve auf dem Markt für Schokoriegel

Wenn die meisten Verbrauchenden keine starken Präferenzen für das Produkt eines Unternehmens haben, können wir eine Nachfragekurve für Schokoriegel auf dem Markt zeichnen.

Die Nachfragekurve für Choccos
: Der Gleichgewichtspreis auf dem Markt für Schokoriegel (rechtes Feld) bestimmt die enge Preisspanne, aus der das Chocco-Unternehmen wählen kann (linkes Feld)—es wird einen Preis festlegen müssen, der ziemlich nahe an dem anderer Schokoriegel liegt.
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Die Nachfragekurve für Choccos

Der Gleichgewichtspreis auf dem Markt für Schokoriegel (rechtes Feld) bestimmt die enge Preisspanne, aus der das Chocco-Unternehmen wählen kann (linkes Feld)—es wird einen Preis festlegen müssen, der ziemlich nahe an dem anderer Schokoriegel liegt.

Die enge Spanne der für dieses Unternehmen in Frage kommenden Preise wird durch das Verhalten der Konkurrenz bestimmt. Der Haupteinfluss auf den Preis von Choccos ist also nicht das Unternehmen, sondern der Markt für Schokoriegel als Ganzes. Da alle Unternehmen zu ähnlichen Preisen produzieren, die in der Nähe ihrer Grenzkosten liegen, verlieren wir wenig Einsicht, wenn wir die Unterschiede zwischen ihnen ignorieren und davon ausgehen, dass die Angebotskurve jedes Unternehmens der Grenzkostenkurve entspricht, um dann das Gleichgewicht auf dem gesamten Markt für Schokoriegel zu finden.

Diesen Ansatz haben wir bereits bei der Analyse des dänischen Buttermarktes verfolgt. In der Praxis ist es wahrscheinlich, dass einige Einzelhandelsunternehmen, die Butter verkaufen, eine gewisse Macht haben, Preise festzulegen. Ein lokaler Laden kann möglicherweise einen Preis festsetzen, der höher ist als der Preis für Butter in anderen Geschäften, weil es weiß, dass einige Personen es bequemer finden einfach die Butter dort kaufen, als nach einem niedrigeren Preis zu suchen. Es ist jedoch davon auszugehen, dass derartige Läden bei der Preisgestaltung nicht viel Spielraum haben und stark vom vorherrschenden Marktpreis beeinflusst werden. Die Preisbildung am Wettbewerbsmarktist also ein guter Näherungswert für diesen Markt—gut genug zumindest, dass das Modell von Angebot und Nachfrage uns helfen kann, die Auswirkungen einer Fettsteuer zu verstehen.

Übung 8.8 Preisabsprachen

Wir haben Schokoladenriegel als hypothetisches Beispiel für einen nicht im vollständigen Wettbewerb befindlichen Markt verwendet. In den letzten Jahren wurden die Unternehmen der weltweit meistverkauften Schokoladenriegel jedoch beschuldigt, sich gegenseitig abzusprechen, um die Preise hoch zu halten. Erklären Sie anhand der Informationen in diesem Artikel:

  1. Inwiefern erfüllt der Markt für Schokoriegel nicht die Bedingungen für vollkommenen Wettbewerb?
  2. Jede Marke von Schokoladenriegeln steht im Wettbewerb mit vielen anderen ähnlichen Marken. Warum haben einige Unternehmen trotzdem eine erhebliche Marktmacht?
  3. Unter welchen Marktbedingungen sind Preisabsprachen am wahrscheinlichsten, und warum?

Frage 8.11 Wählen Sie die richtige(n) Antwort(en)

Betrachten Sie noch einmal Abbildung 8.18, die den Markt für Choccos und für alle Schokoriegel zeigt. Welche der folgenden Aussagen ist auf der Grundlage der beiden Diagramme richtig?

  • Das Unternehmen, das Choccos herstellt, entscheidet sich dafür, am unteren Ende der U-förmigen Isogewinnkurve zu produzieren.
  • Alle Schokoriegel werden zum gleichen Preis P* verkauft.
  • Da es viel Konkurrenz gibt, ist das Unternehmen ein preisnehmendes Unternehmen.
  • Die Grenzkostenkurve des Marktes ist annähernd die Summe der Grenzkostenkurven aller Unternehmen die Schokoriegel produzieren.
  • Das Unternehmen entscheidet sich für eine Produktion, bei der die Isogewinnkurve die Nachfragekurve des Unternehmens tangiert. Da die Nachfragekurve nicht ganz horizontal verläuft, liegt dieser Punkt in der Nähe, aber nicht am unteren Ende der U-Form.
  • Die Schokoriegel sind keine perfekten Substitute. Sie werden zu ähnlichen, aber nicht genau denselben Preisen verkauft.
  • Das linke Diagramm zeigt, dass das Unternehmen eine fallende Nachfragekurve hat, sodass es aus einer engen Preisspanne wählen kann.
  • Jedes Unternehmen produziert in der Nähe der GK-Kurve, sodass die GK-Kurve in etwa der Angebotskurve des Unternehmens entspricht und das Angebot auf dem Markt in etwa der Summe der GK-Kurven der Unternehmen entspricht.

8.9 Suche nach Marktgleichgewichten

Wenn wir einen Markt betrachten, auf dem scheinbar vollkommene Wettbewerbsbedingungen herrschen—viele unabhängige Kaufende und Verkaufende identischer Güter—wie können wir dann feststellen, ob er die Bedingungen für ein Marktgleichgewicht erfüllt? Ökonominnen und Ökonomen führen dafür zwei unterschiedliche Tests durch:

  1. Findet der gesamte Handel zum gleichen Preis statt?
  2. Verkaufen die Unternehmen ihre Waren zu einem Preis, der den Grenzkosten entspricht?

Die Schwierigkeit beim zweiten Test besteht darin, dass es oft schwierig ist, die Grenzkosten zu messen. Dem Ökonom Lawrence Ausubel gelang dies jedoch in den 1980er Jahren für den Kreditkartenmarkt der US-Banken. Zu dieser Zeit verkauften 4000 Banken ein identisches Produkt: Kreditkartendarlehen. Bei den Karten handelte es sich meist um Visa—oder Mastercard-Karten, aber die einzelnen Banken legten den Preis für ihre Darlehen, das heißt den Zinssatz, individuell fest. Die Finanzierungskosten der Banken—die Opportunitätskosten des Geldes, das den Kreditkarteninhabenden geliehen wurde—ließen sich aus anderen Zinssätzen auf den Finanzmärkten ableiten. Obwohl es noch andere Komponenten der Grenzkosten gab, waren diese Finanzierungskosten die einzigen, die im Laufe der Zeit erheblich schwankten. Wäre also der Markt für Kreditkarten wettbewerbsfähig, würde man erwarten, dass der Zinssatz für Kreditkartendarlehen mit den Finanzierungskosten steigt und fällt.

Beim Vergleich des Zinssatzes für Kreditkarten mit den Finanzierungskosten über einen Zeitraum von acht Jahren stellte Ausubel fest, dass dies nicht der Fall war. Als die Kapitalkosten von 15 % auf unter 7 % fielen, schien es fast keine Auswirkungen auf den Preis von Kreditkartendarlehen zu haben.9

Warum senken die Banken ihre Zinssätze nicht, wenn ihre Kosten sinken? Er schlug zwei verschiedene Erklärungen vor:

  • Es kann für Verbrauchende schwierig sein, die kreditkartenanbietende Bank zu wechseln: In diesem Fall sind die Banken nicht gezwungen, miteinander zu konkurrieren, sodass sie die Preise hoch halten können, wenn die Kosten fallen.
  • Die Banken sind möglicherweise nicht in der Lage zu entscheiden, welche ihrer Kundinnen und Kunden ein hohes Risiko darstellen: Das wäre auf diesem Markt ein Problem, denn diejenigen mit hohem Risiko reagieren am empfindlichsten auf die Preise. Die Banken wollen ihre Preise nicht senken, aus Angst, die falsche Kundschaft anzulocken.

Vollkommener Wettbewerb setzt voraus, dass die Verbrauchenden ausreichend preisempfindlich sind, um die Unternehmen zu zwingen, miteinander zu konkurrieren. Dies ist auf keinem Markt der Fall, auf dem die Verbrauchenden nach Produkten suchen müssen. Wenn es zeitaufwändig und mühsam ist, Preise zu prüfen und Produkte zu begutachten, entscheiden sie sich möglicherweise für einen Kauf, sobald sie etwas Passendes gefunden haben, anstatt weiter nach dem günstigsten Angebot zu suchen. Als das Internet den Online-Einkauf ermöglichte, gingen viele Ökonominnen und Ökonomen davon aus, dass dies den Wettbewerb auf den Märkten des Einzelhandels verstärken würde: Die Verbrauchenden könnten konnten nun die Preise vieler Unternehmen prüfen, bevor sie sich für einen Kauf entscheiden.

Aber selbst in diesem Umfeld reagieren die Verbrauchenden oft nicht sehr empfindlich auf die Preise.10 Sie können das Gesetz des einheitlichen Preises im Online-Einzelhandel selbst testen, indem Sie die Preise für ein bestimmtes Produkt, das überall gleich sein sollte, egal wo Sie es kaufen—zum Beispiel ein Buch oder ein Haushaltsgerät—überprüfen und vergleichen. Abbildung 8.19 zeigt die Preise der britischen Online-Händler für eine bestimmte DVD im März 2014. Die Preisspanne ist groß: Die teuerste anbietende Webseite verlangt 66 % mehr als die günstigste.

Der Hobbit: Eine unerwartete Reise
Lieferndes Unternehmen Preis einschließlich Porto (GBP)
Game 14,99
Amazon UK 15,00
Tesco 15,00
Asda 15,00
Base.com 16,99
Play.com 17,79
Savvi 17,95
The HUT 18,25
I want one of those 18,25
Hive.com 21,11
MovieMail.com 21,49
Blackwell 24,99

Unterschiedliche Preise für dieselbe DVD bei britischen Online-Unternehmen (März 2014).

Abbildung 8.19 Unterschiedliche Preise für dieselbe DVD bei britischen Online-Unternehmen (März 2014).

Seit dem frühen 19. Jahrhundert wurden die Fänge der Atlantikfischerei, die im Hafen von New York angeliefert wurden, auf dem Fulton Fish Market in Manhattan (2005 wurde er in die Bronx verlegt) an Restaurants und den Einzelhandel verkauft. Es ist immer noch der größte Markt für frischen Fisch in den USA, obwohl der Fisch jetzt auf dem Land- oder Luftweg angeliefert wird. Die Händler:innen zeigen keine Preise an. Stattdessen kann die Kundschaft den Fisch in Augenschein nehmen und nach dem Preis fragen, bevor sie sich entscheiden—eine Institution, die den Wettbewerb zu fördern scheint.

Kathryn Graddy, eine Ökonomin, die sich auf die Preisbildung spezialisiert hat, untersuchte den Fulton Fish Market. Dort gab es etwa 35 Händler:innen, deren Stände nahe beieinander lagen, sodass die Kundschaft leicht die Menge und Qualität des angebotenen Fisches beobachten und mehrere Stände nach einem Preis fragen konnte. Sie verwendete Details von 3357 Verkäufen von Wittling durch einen Händler, einschließlich Preis, Menge und Qualität des Fisches sowie Merkmale der Kaufenden.11 12

Natürlich waren die Preise nicht bei jeder Transaktion gleich: Die Qualität variierte, und das Fischangebot änderte sich von Tag zu Tag. Aber ihre überraschende Beobachtung war, dass asiatische Kundinnen und Kunden im Durchschnitt etwa 7 % weniger pro Pfund zahlten als nicht-asiatische Kundschaft (keine der Händler:innen waren asiatisch). Zwischen den Geschäften der asiatischen und nicht-asiatischen Kunfschaft gab es offenbar keine Unterschiede, die die unterschiedlichen Preise erklären könnten.

Wie konnte das passieren? Wenn eine verkaufenden Person hohe Preise für nicht-asiatische Kaufende verlangte, warum versuchten Verkaufende dann nicht, sie mit einem besseren Angebot an ihren eigenen Stand zu locken? In unserem Interview mit Graddy erfahren Sie, wie sie ihre Daten erhoben hat und was sie über das Modell des vollkommenen Wettbewerbs herausgefunden hat.

Theoretisch hätte der einfache Zugang zu Preisinformationen auf dem gesamten Markt es allen Kaufenden ermöglichen müssen, schnell sehr ähnliche Preise zu finden. In der Praxis beobachtete Graddy jedoch, dass nur selten verhandelt wurde, und dann auch nur mit den Kaufenden, die große Mengen kauften.

Graddy beobachtete, dass die Händler:innen wussten, dass nicht-asiatische Kundschaft in der Praxis bereit waren, höhere Preise zu akzeptieren als asiatische Kundschaft. Die Händler:innen wussten dies, ohne Preisabsprachen machen zu müssen.

Die Beispiele in diesem Abschnitt zeigen, dass es schwer ist, Beweise für perfekten Wettbewerb zu finden. Dennoch haben wir gesehen, dass das Modell eine nützliche Annäherung sein kann. Selbst wenn nicht alle Bedingungen für vollkommenen Wettbewerb erfüllt sind, ist das Modell von Angebot und Nachfrage ein wertvolles Instrument für die volkswirtschaftliche Analyse, das dann anwendbar ist, wenn der Wettbewerb so stark ist, dass Einzelne nur wenig Einfluss auf die Preise haben.

Übung 8.9 Preisstreuung

Wählen Sie ein beliebiges veröffentlichtes Lehrbuch, das Sie in einem Kurs verwendet haben. Suchen Sie im Internet nach dem Preis, zu dem Sie dieses Buch bei verschiedenen Unternehmen (Amazon, eBay, Buchhandel usw.) kaufen können.

Gibt es eine Preisstreuung, und wenn ja, wie können Sie diese erklären?

Übung 8.10 Der Fulton Fish Market

Sehen Sie Kathryn Graddys Video.

  1. Wie erklärt sie ihren Nachweis, dass das Gesetz des einheitlichen Preises auf dem Fischmarkt nicht galt?
  2. Warum haben sich die Kaufenden und Verkaufenden nicht nach besseren Angeboten umgesehen?
  3. Warum traten keine neuen Händler:innen in den Markt ein, um ökonomische Renten zu erzielen?

8.10 Preissetzende und preisnehmende Unternehmen

Wir haben nun zwei verschiedene Modelle entwickelt, wie sich Unternehmen verhalten. Im Modell der Einheit 7 stellt das Unternehmen ein Produkt her, das sich von den Produkten anderer Unternehmen unterscheidet. Dies verleiht dem Unternehmen Marktmacht—die Macht, seinen eigenen Preis festzulegen. Dieses Modell gilt für den Extremfall eines Monopolisten, der keinerlei Konkurrenz hat, wie zum Beispiel Wasserversorgungsunternehmen und nationale Fluggesellschaften, die von der Regierung das Exklusivrecht für Inlandsflüge erhalten haben. Das Modell der Einheit 7 gilt auch für ein Unternehmen, das differenzierte Produkte wie Frühstücksflocken, Autos oder Schokoriegel produziert, die den Produkten der Konkurrenz ähnlich, aber zu diesen nicht identisch sind. In solchen Fällen hat das Unternehmen immer noch die Macht, den Verkaufspreis selbst zu bestimmen. Hat es jedoch nahe Konkurrenz, ist die Nachfrage recht elastisch und die Spanne der realisierbaren Preise wird eng sein.

In dem in dieser Einheit entwickelten Angebots- und Nachfragemodell sind die Unternehmen preisnehmend. Der Wettbewerb mit anderen Unternehmen, die identische Produkte herstellen, bedeutet, dass sie keine Macht haben, ihre eigenen Preise festzulegen. Dieses Modell kann als ungefähre Beschreibung eines Marktes dienen, auf dem es viele Unternehmen gibt, die sehr ähnliche Produkte verkaufen, auch wenn die idealisierten Bedingungen für einen perfekten Wettbewerbsmarkt in der Realität nicht gegeben sind.

In der Praxis sind Volkswirtschaften eine Mischung aus mehr und weniger wettbewerblichen Märkten. In mancher Hinsicht verhalten sich die Unternehmen so, ob sie das einzige anbietende Unternehmen eines Gutes oder einer von vielen konkurrierenden Unternehmen sind: Alle Unternehmen entscheiden, wie viel sie produzieren, welche Technologien sie einsetzen, wie viel Personal sie einstellen und wie viel sie ihnen zahlen, um ihre Gewinne zu maximieren.

Aber es gibt wichtige Unterschiede. Schauen Sie sich die Entscheidungen an, die preissetzende Unternehmen zur Gewinnmaximierung treffen (Abbildung 7.2). Unternehmen in wettbewerbsintensiveren Märkten fehlt entweder der Anreiz oder die Möglichkeit, einige dieser Dinge zu tun.

öffentliches Gut
Ein Gut, dessen Nutzung durch eine Person seine Verfügbarkeit für andere nicht verringert. Auch bekannt als: nicht-rivales Gut. Siehe auch: nicht ausschließbares öffentliches Gut, künstlich knappes Gut.

Ein Unternehmen mit einem einzigartigen Produkt wird Werbung machen (Kaufen Sie Nike!), um die Nachfragekurve für sein Produkt nach rechts zu verschieben. Aber warum sollte ein einzelnes Unternehmen in einem Wettbewerbsmarkt Werbung machen (Trinke Milch!)? Dies würde die Nachfragekurve für alle Unternehmen in der Industrie verschieben. Werbung auf einem wettbewerblichen Markt ist ein öffentliches Gut: Der Nutzen kommt allen Unternehmen der Industrie zugute. Wenn Sie eine Werbebot­schaft wie „Trinken Sie Milch!“ sehen, wird sie wahrscheinlich von einem Verband von Molkereien und nicht von einer bestimmten Firma bezahlt.

Das Gleiche gilt für Ausgaben zur Beeinflussung der öffentlichen Politik. Wenn ein großes Unternehmen mit Marktmacht zum Beispiel eine Lockerung der Umweltvorschriften durchsetzen kann, profitiert es direkt davon. Aber Aktivitäten wie Lobbying oder Geldspenden für Wahlkampagnen sind für das Unternehmen in einem wettbewerbsintensiven Markt unattraktiv, weil das Ergebnis (eine unternehmensfreundlichere Politik) in diesem Sinne ein öffentliches Gut ist.

In ähnlicher Weise werden Investitionen in die Entwicklung neuer Technologien wahrscheinlich von Unternehmen getätigt, die nur wenig Konkurrenz haben, denn wenn es ihnen gelingt, eine gewinnbringende Innovation zu finden, werden die Vorteile nicht sofort an die Konkurrenz verloren gehen, die sie imitieren können. Eine Möglichkeit für erfolgreiche große Unternehmen besteht jedoch darin, sich von der Konkurrenz abzuheben und mit einem neuen Produkt zu innovieren. Die größte Bio-Molkerei des Vereinigten Königreichs, Yeo Valley, war einst eine gewöhnliche Farm, die Milch verkaufte, wie Tausende andere auch. Im Jahr 1994 etablierte sie eine Bio-Marke und kreierte neue Produkte, für die sie Premiumpreise verlangen konnte. Mit Hilfe einfallsreicher Marketingkampagnen wuchs sie zu einem Unternehmen mit 1800 Beschäftigten und einem Anteil am britischen Bio-Markt von 65 %.

Die Tabelle in Abbildung 8.20 fasst die Unterschiede zwischen preissetzenden und preisnehmenden Unternehmen zusammen.

Preissetzendes Unternehmen oder Monopol Unternehmen in einem Markt mit perfektem Wettbewerb
Setzt den Preis und die Menge zur Gewinnmaximierung fest (preissetzend) Nimmt den vom Markt festgelegten Preis als gegeben hin und wählt die Menge zur Gewinnmaximierung (preisnehmend)
Wählt ein Produktionsniveau, bei dem die Grenzkosten geringer sind als der Preis Wählt ein Produktionsniveau, bei dem die Grenzkosten gleich dem Preis sind
Wohlfahrtsverluste (Pareto-ineffizient) Keine Wohlfahrtsverluste für verbrauchende Personen und Unternehmen (kann Pareto-effizient sein, wenn niemand sonst in der Wirtschaft betroffen ist)
Die Eigentümer:innen erhalten ökonomische Renten (Gewinne, die über den normalen Gewinnen liegen) Wenn die Eigentümer:innen ökonomische Renten erhalten, werden diese wahrscheinlich verschwinden, wenn mehr Unternehmen in den Markt eintreten.
Unternehmen werben für ihr einzigartiges Produkt Wenig Werbung: sie bedeutet Kosten für das Unternehmen, kommt aber allen Unternehmen zugute (sie ist ein öffentliches Gut)
Unternehmen können Geld ausgeben, um Einfluss auf Wahlen, Gesetzgebung und Regulierung zu nehmen Geringe Ausgaben einzelner Unternehmen um politischen Einfluss auszuüben (wie bei der Werbung)
Unternehmen investieren in Forschung und Innovation; versuchen, das Kopieren von Innovationen zu verhindern Wenig Anreiz für Innovation; andere werden kopieren (es sei denn, dem Unternehmen gelingt es, sein Produkt zu differenzieren und dem Wettbewerbsmarkt zu entkommen)

Preissetzende und preisnehmende Unternehmen.

Abbildung 8.20 Preissetzende und preisnehmende Unternehmen.

8.11 Schlussfolgerung

Käufer:innen und Verkäufer:innen, die aufgrund des Wettbewerbs wenig Einfluss auf die Marktpreise haben, werden als preisnehmend bezeichnet. Ein Markt befindet sich im Marktgleichgewicht, wenn alle Kaufenden und Verkaufenden preisnehmend sind und bei dem vorherrschenden Marktpreis die angebotene Menge gleich der nachgefragten Menge ist (der Markt räumt).

Preisnehmende Unternehmen wählen ihre Mengen so, dass die Grenzkosten gleich dem Marktpreis sind. Die Allokation im Gleichgewicht schöpft den gesamten möglichen Nutzen aus dem Handel aus.

Das Modell des perfekten Wettbewerbs beschreibt eine Reihe idealisierter Marktbedingungen, unter denen wir ein Wettbewerbsgleichgewicht erwarten würden. Die Märkte für reale Güter entsprechen nicht genau diesem Modell. Die Preisbildung am Wettbewerbsmarkt kann jedoch eine nützliche Annäherung darstellen, die es uns ermöglicht, Angebots- und Nachfragekurven als Instrument zum Verständnis der Marktergebnisse zu nutzen, zum Beispiel die Auswirkungen einer Steuer oder eines Angebotsschocks.

In Einheit 8 eingeführte Konzepte

Bevor Sie fortfahren, sollten Sie die folgenden Definitionen wiederholen:

8.12 Quellen

  1. Dies wird in ‚Who’s in Charge?‘, Kapitel 1 von Paul Seabrights Buch darüber, wie Marktwirtschaften es schaffen, komplexe Geschäfte zwischen sich unbekannten Personen zu organisieren, ausführlicher erklärt (folgen Sie dem Link, um Kapitel 1 als pdf zu öffnen). Paul Seabright. 2010. The Company of Strangers: A Natural History of Economic Life (Revised Edition). Princeton, NJ: Princeton University Press. 

  2. Alfred Marshall. 1920. Principles of Economics, 8th ed. London: MacMillan & Co. 

  3. Joel Waldfogel. 1993. ‚The Deadweight Loss of Christmas‘American Economic Review 83 (5).  

  4. ‚Is Santa a Deadweight Loss?‘. The Economist. Aktualisiert am 20. Dezember 2001. 

  5. Maurice Stucke. 2013. ‚Is Competition Always Good?‘. OUPblog

  6. Helge Berger und Mark Spoerer. 2001. ‚Economic Crises and the European Revolutions of 1848.‘ The Journal of Economic History 61 (2): 293–326. 

  7. Jørgen Dejgård Jensen und Sinne Smed. 2013. ‚The Danish Tax on Saturated Fat: Short Run Effects on Consumption, Substitution Patterns and Consumer Prices of Fats‘. Food Policy 42: 18–31. 

  8. Leon Walras. (1874) 2014. Elements of Theoretical Economics: Or the Theory of Social Wealth. Cambridge: Cambridge University Press. 

  9. Lawrence M. Ausubel. 1991. ‚The Failure of Competition in the Credit Card Market‘. American Economic Review 81 (1): pp. 50–81. 

  10. Glenn Ellison und Sara Fisher Ellison. 2005. ‘Lessons About Markets from the Internet’. Journal of Economic Perspectives 19 (2) (June): p. 139. 

  11. Kathryn Graddy. 2006. ‘Markets: The Fulton Fish Market’. Journal of Economic Perspectives 20 (2): pp. 207–220.  

  12. Kathryn Graddy. 1995. ‘Testing for Imperfect Competition at the Fulton Fish Market’. The RAND Journal of Economics 26 (1): pp. 75–92.